Flammendes Rot

Diesen Klatschmohn habe ich vor meiner Arbeitsstelle gefunden

Der Klatschmohn färbte die Böschung in flammendes Rot. „Schau mal, hier haben sie eine Wildblumenwiese ausgesät“, sagte mein Begleiter. Auch wenn er ein Stadtmensch ist, hat ihn das allgegenwärtige Thema „Artensterben“ für sein Wohnumfeld sensibel gemacht. Mein ehemaliger Fachfrauenblick (drei Monate Praktikum in einem Landschaftsbaubetrieb, vier Jahre Studium der Landschaftsplanung und ein paar Jahre Berufserfahrung), zeigte mir, dass hier kürzlich Mutterboden aufgeschüttet wurde und der darin befindliche Wildblumensamen von selbst aufgegangen war. Trotzdem bot das knallige Rot mitten im Asphaltgrau der Stadt einen grandiosen Anblick.

Ein paar Tage später zückte ich mein Handy, um das Bild für Instagram einzufangen. Leider hatten in der Zwischenzeit schon andere Leute die Motorsensen gezückt. Keine Spur mehr von rotem Mohn, dafür bis auf die blanke Erde abgemähte Pflanzenstummel und Bodenerosion. Die Böschung sah wieder ordentlich aus, wie eine ordentliche deutsche Böschung in einer ordentlichen deutschen Stadt auszusehen hat: nackt und lebensfeindlich.

Einen Tag zuvor hatte ich bei Facebook gepostet, dass mein zwanzig Jahre altes Auto seinen Geist aufgibt. Als ich – fast eine Menschengeneration nach dem Kauf dieses Wagens – auf der Webseite der Automarke nach tollen Features der Nachfolgemodelle stöberte, fand ich unter anderem ein beheizbares Lenkrad. Von Sprit sparender Technik war dagegen keine Rede. Wie denn auch? Die Ingenieure mussten in der Zeit doch am beheizbaren Lenkrad forschen!

Zum Glück klärten mich meine Facebook-Freunde schnell darüber auf, wie wichtig ein beheizbares Lenkrad sei und dass ich mir am besten einen Diesel kaufen solle.

Gute Idee! Vielleicht nehme ich sogar einen SUV. Diese Autos gelten derzeit als echte Verkaufsschlager. Vor allem als Stadtauto, wie ich es tagtäglich erlebe. Hoffentlich gibt es die auch als Diesel mit beheizbarem Lenkrad. Am besten ich nehme gleich zwei oder drei davon. Dann hätte ich „das Wechsel“, wie meine Oma sagen würde.

Inzwischen könnte ich mir tatsächlich ein neues Auto leisten. Das erste Mal seit etwa vierzehn Jahren habe ich nämlich einen festen Job. Davor schummelte ich mich als Freelancerin durchs Leben. Zugegebenermaßen meine eigene Schuld. Es war eine saudämliche Idee, in den Neunzigern Landschaftsplanung und Naturschutz zu studieren. Und was noch viel dämlicher war: im Osten zu bleiben.

Dabei hätte ich 2007 karrieremäßig voll durchstarten können. Damals rief mich ein Mann aus dem Autobahnamt in Magdeburg an und fragte mich, ob ich eine Festanstellung im öffentlichen Dienst haben wolle. Quasi sofort vom Telefon weg, ohne das nervige Vorstellungsgesprächs-Trara. Bei dem Job ging es darum, Gutachten darüber zu schreiben, dass es vollkommen bedenkenlos sei, Autobahnen durch Naturschutzgebiete zu bauen. Ich sagte ganz spontan „Nein!“, auch wenn ich das die nächsten zehn Jahre mehr als einmal bereuen sollte, wenn mal wieder die blanke Existenzangst nagte.

Just im selben Jahr, in dem ich den mysteriösen Anruf aus dem Autobahnamt erhielt, klagte der Naturschutzbund gegen den Bau einer Autobahn in der Peripherie meiner Stadt. Diese sollte – wer hätte es gedacht – durch ein Naturschutzgebiet von europäischem Rang gehen. Durch die Klagerei wurde später erreicht, dass bei der Autobahnplanung naturschutzmäßig nachgebessert werden musste.

Wildblumenwiese nach dem Einsatz der Motorsensen

Jüngst wurde auch noch die letzte Klage gegen die Autobahn abgeschmettert. Das bedeutet, ab 2025 brettern die SUVs durch die Porphyrkuppenlandschaft bei Halle. Zum Glück wird so gut wie keines der Autos einen sparsamen Motor haben – zumal er anscheinend erst noch erfunden werden muss. Dafür werden sie mit Lenkradheizung ausgestattet sein und mit anderen supertollen Features, welche die Ingenieure in den letzten zwanzig Jahren entwickeln durften, anstatt sich mit Pillepalle wie sparsamer Antriebstechnik herumzuärgern. Und an den frisch aufgeschütteten Autobahnböschungen blüht der rote Mohn – bis die Männer mit den Motorsensen kommen.

Warum es mal wieder sehr viel länger dauert

Manchmal beneide ich Kater „Schrumpel“ um sein kompromissloses Schlafmanagement

Eigentlich dürfte ich jetzt (20:17 Uhr) nicht am Laptop sitzen und diesen Text hier tippen. Eigentlich müsste ich mich um den Abwasch kümmern, drei Wannen Wäsche wegbügeln, ein oder zwei Pakte Steinwolle auf den Dachboden schleppen (wegen der Wärmedämmung im Winter, die wir schon viel zu lange vor uns herschieben), Essen für morgen fürs Büro vorbereiten, die Wohnung aufräumen, das Katerklo säubern, den Schulranzen samt Hausaufgabenheft vom Zwergenkind abchecken … Und eigentlich wollte ich auch ein bisschen schreiben. Am zweiten „Wintermaid“-Band, an der Idee zu einem letzten, kurzen Trywwidt-Abenteuer, die Taschenbuchversion von „Wintermaid“ abschließen, die anderen beiden Trywwidt-Teile auf die Tolino-Plattform hochladen …

Dann gibt es Facebookgruppen, Bloggeraktionen, Schreibwettbewerbe etc., wo ich mal reinlesen und mitmachen sollte. Leider scheitert es da schon an den ersten Sätzen, mit denen die Aktionen beschrieben werden. Kaum gelesen, bin ich überfordert, gedanklich beim Abwasch, den Wäschebergen und dem verluderten Garten, um den ich mich auch mal kümmern müsste. Und beim Wecker, der morgen früh wieder kurz nach sechs klingelt.

Seit einiger Zeit fühlt es sich an, als würde ich ganzkörpermäßig in zähem Schleim feststecken, durch den ich mich tagein, tagaus durchkämpfen muss, ohne jemals wirklich voranzukommen. Wobei ich noch unentschlossen bin, ob es was Ernsteres ist, das mich da lähmt, oder einfach nur meine angeborene Faulheit.

Den Abwasch habe ich übrigens zwischendrin schnell gemacht. Und jetzt stelle ich mich der Mission „Steinwolle auf den Dachboden wuchten“. Das wird sehr lustig. Ganz bestimmt! Und Schreiben kann ich auch noch im nächsten Leben. Irgendwann.

Trywwidt macht einen Abstecher zu Tolino

Trywwidt Band 1 Cover
Trywwidt Band 1 Leseprobe

Ich hab’s geschafft. Jedenfalls so gut wie fast und beinahe: Der erste Trywwidt-Band ist bei Tolino hochgeladen. Jetzt fehlen nur noch Band 2 und 3. Aber das bekomme ich auch noch auf die Reihe. Sollte es keine Probleme geben, dürfte Band 1 in den kommenden Tagen freigeschaltet werden und dann allen Tolino-Leserinnen und Lesern zur Verfügung stehen.

Die Idee mit Tolino kam mir, nachdem ich in den vergangenen Monaten wegen eines Bugs und eines nur schwer erreichbaren Supports Ärger mit dem Webshop von Amazon hatte.

Vor einiger Zeit hatte ich den ersten Trywwidt-Band schon mal über Tolino verkauft. Inzwischen gibt es eine aktuellere Version des E-Books, bei der noch am Anfang ein kurzes Kapitel dazugekommen ist.

Mein chronischer Pessimismus sagt mir, dass es wieder so laufen wird wie beim letzten Ausflug zu Tolino (nur sehr wenige Leute hatten damals den ersten Band gefunden). Andererseits gibt es vielleicht ein paar neue Leser, die kein Kindle haben und die auf diesem Weg die Bücher entdecken. Ich drücke ihnen (und mir) die Daumen, dass sie Trywwidt finden und vielleicht genauso lieben werden wie viele Leserinnen und Leser bei Amazon.

Das Kreuz mit der Reihe

Das Cover zu „Wintermaid“ hat die Designerin Yvonne Less (Art 4 Artists) gestaltet.
Wintermaid bei Amazon

Meine Fantasy-Erzählung „Wintermaid“ ist seit Anfang Mai veröffentlicht. Die bisherigen Leserreaktionen geben mir einen großen Energieschub, aller Zweifel zum Trotz weiterzuschreiben und vielleicht sogar diese Geschichte weiterzuentwickeln.

Die Erzählung „Wintermaid“ ist in sich abgeschlossen. Wäre da nicht die Sache mit dem „Danach“. Kurt Tucholsky schrieb einst ein gleichnamiges Gedicht und das beginnt so: „Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt. …“ Auch wenn er über einen Film dichtet, lässt sich das Gesagte auf Romane der Unterhaltungsliteratur anwenden, denke ich.

Illustration zu „Wintermaid“. Mit ein bisschen mehr Zeit, hätte ich gerne mehr Illustrationen in das Buch gesteckt.

Eine Geschichte kann im Grunde von dem Punkt aus, wo die Autorin oder der Autor „Ende“ darunter schreibt, immer weitergesponnen werden. Selbst wenn es die Protagonisten nicht überlebt haben sollten, könnten im nächsten Band zum Beispiel die Abenteuer der Halbstiefkusine vom angeheirateten Erbonkel eine Rolle spielen, sofern keine direkten Nachkommen, Eltern, Geschwistern oder Haustiere vorhanden sind. Es gibt sicher (fast) immer eine Möglichkeit, einen nächsten Band dranzuhängen.

Vielleicht werde ich genau das bei der „Wintermaid“ machen. Auch für meine Trywwidt-Trilogie gibt es inzwischen zwei konkrete Ideen für kürzere Folgebände, die sich lose an die ersten drei Bände anfügen könnten. (Sobald ich Zeit und Ruhe habe … das alte Spiel „Autorin versus Alltag“.)

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Leser/innen gerne mal zögern, wenn sie einen Reihenauftakt vor sich haben. Wer weiß, vielleicht schreibt die Autorin die Reihe gar nicht zu Ende. Oder der Verlag übersetzt nur die ersten zwei Bände und lässt es dann bleiben (das habe ich mal als Leserin erlebt und ich bin immer noch stinkesauer auf diesen Verlag. So!). Es ist sicher ein kleines Risiko, das man mit einem Reihenauftakt als Leserin oder Leser eingeht.

Auch ist mir schon untergekommen, dass Reihen nicht weitergeschrieben werden, wenn sich der Auftakt nicht so gut verkauft bzw. dass ein Weiterschreiben davon abhängig gemacht wird, ob das erste Buch gut ankommt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das nur logisch. Aus Sicht der Leserinnen und Leser, die den Einstiegsband gemocht und mit den Protagonisten mitgefiebert haben, kann es eine schmerzliche Erfahrung sein, weshalb vielleicht einige Leute tatsächlich zögern, mit dem Lesen gleich beim ersten Band anzufangen.

Um es kurz zu machen: Meine „Wintermaid“ ist definitiv nicht als Reihe konzipiert. Es ist ein in sich abgeschlossener Einzelband, der eine Episode aus dem Leben einer jungen Frau* erzählt, die ihren Weg in einer Gesellschaft zu finden versucht, in der eigene, selbstbestimmte Wege für Frauen nicht vorgesehen sind.

*) Wegen des Begriffs „junge Frau“ wurde ich in einem Facebook-Kommentar angegangen. Wenn ich den Kommentar richtig interpretiere, ist diese Bezeichnung diskriminierend und mein Buch deshalb nicht lesenswert. Ersteres war mir nicht bewusst, zumal ich bisher immer dachte, der Begriff bezeichnet eine Frau eher jugendlichen Alters. Und Letzteres können nur die Leserinnen und Leser entscheiden. Ich selbst kann das bei meinen eigenen Texten nie so richtig beurteilen.

Fantasy-Erzählung „Wintermaid“ veröffentlicht

Coverdesign: Yvonne Less, Art 4 Artists – Beim Klick auf das Bild öffnet sich die Webseite von BookRix

Im Januar/Februar habe ich versehentlich eine längere Erzählung geschrieben, die mit ein bisschen mehr Zeit und Ruhe sogar ein Roman hätte werden können. Dabei sollte es doch ursprünglich eine Kurzgeschichte werden. Entstanden ist eine Fantasy-Erzählung über eine junge Frau, die verzweifelt daran zu glauben versucht, sie sei eine Art Auserwählte für ihr Dorf, die zu Heldentaten berufen ist. Schon bald muss sie erkennen, dass die raue Männerwelt, in die sie hineingeboren wurde, keine siegreichen Heldinnen duldet.

In den Text habe ich vieles verwoben und verschlüsselt, was Frauen und Mädchen in unserer Welt so täglich widerfahren kann. Da es sich um eine „Fantasy“-Geschichte handelt, habe ich dabei hier und da ganz schön vom Leder gezogen. Dachte ich jedenfalls. Während des Schreibens recherchierte ich zum Thema Frauenrolle/Frauenbild ein wenig und musste feststellen, dass die Realität meine ausgedachte Geschichte bei Weitem überflügelt.

Nach der Recherche war ich ziemlich niedergeschlagen. Ganz ähnlich ging es mir schon einmal, als ich für den Weltmädchentag niedliche Sprüche im Internet gesucht hatte, um diese für ein nettes Posting bei Facebook zu verwenden. Ich stieß damals zum überwiegenden Teil auf historische „Weisheiten“, die Mädchen und Frauen erniedrigten, kleinmachten und sie auf einen Platz in der stillen Ecke verwiesen, um als gutes und sittsames Mädchen anerkannt zu werden. Ein Phänomen, das mir bei ähnlichen Sprüche-Recherchen zu anderen Themen so nie begegnet ist.

Seit Ende April sickert das E-Book in so ziemlich alle Webshops ein, da ich es dieses Mal nicht exklusiv über Amazon vertreibe. Dass ich dadurch wahrscheinlich (noch) weniger Leser haben werde, als bei meinen vorherigen Veröffentlichungen, ist mir bewusst. Durch die seltsame Sache, bei der Amazon monatelang meine Tantiemen auf ein Minimum reduziert hatte, ohne auf mein mehrfaches Bitten hin, den Fehler zeitnah rückgängig zu machen und ohne eine Aussage, ob ich die entgangenen Tantiemen noch erhalten würde, sah ich mich zu diesem Schritt gezwungen. Das Vertrauen ist einfach futsch.

Ich hoffe, dass das Buch trotzdem ein paar Leserinnen und Leser findet. Und vielleicht gefällt es ja auch dem einen oder der anderen.