Netzwerken schwer gemacht

Ein müdes Steinchen außerhalb des NetzwerkesIch hab’s mal wieder vergeigt. Und das kam so:

Auf der Leipziger Buchmesse traf ich eine sympathische Truppe junger Autorinnen, die sich in einem vielversprechenden Netzwerk zusammengeschlossen haben. Und das Beste: Sie fragten mich, ob ich mitmachen will. Meine innere Zweiflerin nuschelte zwar, ob ich überhaupt Zeit dafür hätte und dass ich an die Wäscheberge denken solle und an das Romanprojekt. Doch ich lachte die Zweiflerin aus und sagte: Klar! Ich schaue bei euch rein.

Etwa eine Woche lang habe ich das mit dem Reinschauen versucht. Zu Beginn der Woche, irgendwann mitten in der Nacht im Halbschlaf, hatte ich es geschafft, mich im Online-Forum des Netzwerks anzumelden. Ausgepowert von Phase 1, dem Anmelden, sagte ich mir, dass Phase 2 – sich im Forum umschauen – erst mal warten könne, so lange, bis ich den Kopf zum Einlesen in die Materie frei hätte.

Ich wartete und wartete, doch der Kopf wollte nicht frei werden. Dafür wollten die Wäscheberge weggebügelt und neue Berge aus der Waschmaschine gezerrt werden. Dazu kam an jedem Abend bis in die Puppen das „Mama, ich kann nicht einschlafen“-Spiel und zwischendurch musste ich auf Arbeit meine Frau stehen. Nach der Arbeit wartete dann neben Familien- und Haushaltschaos das Manuskript des letzten Trywwidt-Teils auf mich und fragte – im übertragenen Sinne: Netzwerken oder schreiben? Ich entschied mich probehalber fürs Schreiben, wofür ich leider auch zu müde war. Außer, eine halbe Seite pro Nacht gilt als Schreiben. Falls ja, dann habe ich richtig was geschafft in dieser Woche.

Dann kam das Wochenende. Die beiden freien Tage fest im Blick, dachte ich mir: Jetzt muss es endlich klappen mit dem Netzwerken. Das Ende vom Lied: Wäscheberge, Lebensmittel einkaufen, Haushaltschaos, Familienverpflichtungen, Kind bespaßen, Essen kochen und immer mal wieder aufs Manuskript schielen, nur um festzustellen, dass absolut keine Zeit und Ruhe da ist, um in die Geschichte einzutauchen und die Protagonisten lebendig werden zu lassen. Und im Hintergrund spottete meine innere Zweiflerin, wann ich denn endlich mit dem Netzwerken anfangen wolle? So richtig durchstarten. Mitten rein ins Autorinnenleben, Kontakte knüpfen, Freundschaften schließen, an tollen Projekten mitplanen.

Um es kurz zu machen: Ich habe das mit dem Netzwerken* nach einer Woche aufgegeben, denn auch die nächsten Wochen werden nicht viel anders sein. Und wenn es für mich gut läuft, auch der Rest des Jahres. Vielleicht sogar die nächsten Jahre – wenn es richtig gut läuft. Und das ist nicht mal ironisch, sondern ehrlich gemeint.

Das bedeutet für mich, ich muss mich ganz und gar auf das Trywwidt-III-Manuskript fokussieren, sonst habe ich keine Chance, das Buch jemals fertigzubekommen. Auch wenn es durch das fehlende Netzwerken kaum ein Mensch lesen wird. Egal. Hauptsache ich schaffe es, die Geschichte abzuschließen. Als Belohnung für mich selbst und für alle Leserinnen und Leser, die darauf warten.

*) Falls das hier Autorinnen und Autoren lesen: Nehmt euch kein Beispiel an mir. Ich beschreibe hier, wie man es nicht machen soll.

Zweimal auf der Longlist des Deutschen Phantastikpreises

So ganz fasse ich es noch immer nicht. Aber es stimmt tatsächlich. Zwei meiner Bücher sind auf der Longlist des Deutschen Phantastikpreises gelandet. Es fühlt sich für mich völlig irrational an, als ob ein Film vor mir abläuft, bei dem ich nur passive Beobachterin bin.

Im Grunde habe ich schon seit längerer Zeit beschlossen, die Schreiberei bis auf weiteres sein zu lassen. Sobald der letzten Trywwidt-Teil abgeschlossen ist, soll vorerst Schluss damit sein, da ich das Schreiben nicht in meinen Alltag integrieren kann. Auch wenn sich das ziemlich bescheuert anhört, es tut richtig weh, nicht so schreiben zu können, wie ich gerne würde. Im Halbschlaf nach der Arbeit oder mit riesigen Bergen Bügelwäsche im Nacken und anderen Verpflichtungen, die auf das schlechte Gewissen drücken, geht es leider nicht so gut und es kommt nur Mist dabei heraus, ohne dass ich mich weiterentwickeln kann.

Da ich den Schlussstrich schon vor längerer Zeit gezogen habe, fühlt sich das jetzt so an, als würde das mit der Longlist nicht mir passieren, sondern jemandem, den ich nur flüchtig kenne. Trotzdem freue ich mich für Trywwidt, Korwin Schwarzvogel, Ira Wiltrud, Sally Rosenblatt, Klaus Müller, Holger Siebold, Alex Schmidt, Ronny Beilhorst und wie sie alle heißen, dass sie jetzt dort auf der Liste stehen.

Falls irgendjemand diesen Text tatsächlich lesen sollte und für die Bücher beim Deutschen-Phantastik-Preis abstimmen möchte, dann geht das hier unter diesem Link: https://eveeno.com/113716717

 

Mein Milliardärsroman-Experiment

Seit zwei Wochen ist „Final Passion“ im Shop von Amazon. Ein schnell aufgeschriebener, recht einfach gehaltener Roman mit Liebe, Milliardär und einem Schuss Spannung und vielleicht auch ein bisschen Humor. Inspiriert durch die für mich oft absurd klingenden Buchtitel der „Bonus-Stuffer“, die die vordersten Ränge der Verkaufscharts im Amazon-Shop mit schöner Regelmäßigkeit einzunehmen scheinen.

Auch wenn ich, im Gegensatz zu den „Bonus Stuffern“, natürlich keinen Trickserei-Roman geschrieben habe, um Leser abzuzocken und Gelder zu scheffeln, bin ich von der Wirkung meines Experiments geflasht. Offenbar reicht tatsächlich das Wort „Milliardär“ in Verbindung mit einem Waschbrettbauch auf dem Cover, um eine ganze Menge Leser zu finden. Schon am ersten Tag schoss „Final Passion“ mitten rein in die Top 1.000 und das ganz ohne Werbung, ohne Fanbase, ohne Facebook-Dauerwerbung oder aggressives Freunde- und Fansammeln via Facebook-Einladung. Solch ein Einstieg war mir mit meinen Urban Fantasy-Romanen, an denen ich zwei bis drei Jahre schreibe, nie gelungen. Die letzten Tage dachte ich sogar, ich schaffe es in die Top 100. Es war zumindest kurz davor, auch wenn es dann doch nicht geklappt hatte. Aber wer weiß, was morgen ist. Oder nächste Woche.

Was lerne ich für mein weiteres Schreiben aus diesem Experiment? Vielleicht ja, dass es keinen Zweck hat, an ausgeklügelten Herzensprojekten zu feilen, weil die eher nicht gelesen werden? Hat Urban Fantasy – ohne allzu viel Romantik – quantitativ gesehen keine Leserschaft? Wollen Leser bzw. Leserinnen grundsätzlich vor allem das eine und das hat was mit nackten, reichen Männern zu tun? Gibt es bei den Kindle-Lesern überdurchschnittlich viele Fans von Milliardären, Alpha-Scheichs und verzauberten Wikinger-Werwolf-Überraschungsvierlingen? Sollte ich meine Leser für Trywwidt deshalb auch noch woanders suchen? Andere Strategien finden? Fernab von Amazon-E-Books und vielleicht auch fernab vom Selfpublishing? Oder sollte ich das Projekt einfach fallen lassen, alles hinschmeißen und Schnulzenromanschreiberin werden?

Antworten darauf habe ich bis jetzt keine gefunden. Zumal der Plan noch immer so aussieht, nach dem letzten Teil von „Trywwidt“ das mit dem Schreiben generell zu überdenken, da ich mich dabei zu sehr aus dem eigentlichen Leben ausklinke, das mich langsam zu überrollen droht. Aber wer weiß, vielleicht ist ja ein Schneller von „Elly W. Parker“ noch mal drin. Einen Monat lang nach Feierabend in die Tasten hauen, ohne groß darüber nachzudenken, was ich da schreibe. Das müsste einmal im Jahr locker zu schaffen sein. Außerdem kenne ich einen knallharten Dealer für Waschbrettbauchcover. Und für den Notfall haben sich schon mehrere Herren angeboten, für Coverfotos Modell zu stehen. Auch wenn ich fürchte, dass sie im Fall der Fälle jahrelanges Training im Bauch-Bootcamp vor sich hätten, um mir wirklich helfen zu können. Denn Waschbärbäuche auf Buchcovern kommen vermutlich nicht so gut an, wenn es wieder mit den Top 1.000 klappen soll.

Von Milliardären und Mogelpackungen

Ein Buchcover mit nackter Männerbrust

Das Cover für den Milliardärsroman

Die Idee für „Final Passion“ kam mir durch einen großen E-Book-Shop, in dem es unglaublich fantasievolle Titel gibt, die ganz ähnlich klingen wie „Die verliebte Leihmutter des Alpha-Milliardärs“ oder „Die Überraschungsvierlinge des Wikinger-Häuptlings“. Inspiriert durch diese bunte Titelvielfalt brannte es mir unter den Nägeln, eine Persiflage auf solche Geschichten zu schreiben. Doch beim Schreiben merkte ich schnell, dass mir die Protagonisten Valerie und Leander viel zu sehr ans Herz gewachsen waren, um sie mit Überraschungssiebenlingen und Alpha-Wikingern in ein Buch zu stecken. Deshalb bekamen sie ihre eigene Geschichte, die voraussichtlich im Februar 2018 veröffentlicht wird.

Wenn man sich ein wenig mehr mit der Flut an Milliardärsromanen im E-Book-Shop von Amazon beschäftigt, in denen es von Alpha-Männern, egal ob Scheich oder Wikinger, nur so wimmelt, gern mit sogenannten Überraschungsbabys in der Geschichte und mit dem obligatorischen Waschbrettbauch auf dem Cover, so kann einem das Schmunzeln durchaus im Gesicht einfrieren. Unter diesen E-Books gibt es immer mehr, die im Grunde nur deshalb in den besagten großen E-Book-Shop gestellt werden, weil sie als buchgewordene Gelddruckmaschinen funktionieren. Der Trick geht so, dass die „Autoren“ eine neue, oft recht kurze Geschichte an den Anfang ihres E-Books setzen, zu der sie dann passend das Cover und den Buchtitel gestalten. An den Text der neuen Geschichte wird ein ganzer Schwung alter, schon längst veröffentlichter Geschichten als „Bonus“ drangehängt, manchmal sogar vermischt mit englischen Texten, um die Länge des E-Books aufzublähen. So werden aus knapp 100 Seiten ganz schnell weit über 1.000 Seiten. Dass die sogenannten „Bonus-Stuffer“ damit gegen die strengen Regeln von Kindle Unlimited, der Flatrate des E-Book-Shops, verstoßen, ist natürlich klar, stört sie aber nicht weiter.

Wenn ein ahnungsloser Leser solch ein aufgeblähtes Buch über die Flatrate ausleiht, zahlt Amazon dem Autor Geld für jede vom Leser durchgeklickte Seite. Wobei der Autor selbstverständlich das E-Book mit Sprungmarken so präpariert hat, das die mehr als 1.000 Seiten ganz schnell durchgeklickt werden, ohne dass der Leser sie auch alle lesen muss.

Wie durch ein Wunder – an deren Existenz ich allerdings nicht so recht glauben mag – erreichen diese Art von E-Books in schöner Regelmäßigkeit die absolute Spitze der E-Book-Charts und somit sehr viele Leser, die den Autoren hohe Einnahmen pro Monat für ihre Mogelpackungen verschaffen. Wobei ich fürchte, dass die Leser es doch irgendwann mal bemerken, immer wieder dieselben Geschichten im E-Book zu finden. Das wiederum könnte auch den Ruf aller anderen Autoren schädigen, denn für den Leser scheinen diese Betrügereien kaum nachvollziehbar zu sein. Und die Gefahr besteht, dass dann alle Indie-Autoren und Selfpublisher über einen Kamm geschert werden.

Die Autorin Myra Çakan hat diese Abzockemasche, mit der Leser für dumm verkauft werden, in ihrem Blog ausführlich erklärt: ebook-tipps.blogspot.de/2018/01/mach-mir-den-bonus-stuffer-baby-ku

Wobei Valerie und Leander den Bonus-Stuffern fast schon dankbar sein müssen, denn ohne die abgefahrenen Buchtitel und immer gleichen Buchcover, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, mich in dem Genre zu betätigen und die beiden hätten nie das Licht der Buchwelt erblickt. Zumal ich den leisen Verdacht habe, dass in irgendeiner Parallelwelt meine Protagonisten tatsächlich existieren. Aber bitte verratet das keinem! Sonst schauen mich die Leute aus meinem Bekanntenkreis wieder so seltsam an.

PS: Das Cover hat übrigens Yvonne Less von Art4Artists gestaltet: art4artists.com.au

Vom Leben in Parallelwelten

Ein Fake-Buchcover

Nein, das ist nicht das echte Cover und auch nicht der Titel. Ich habe nur herumgespielt.

Im Moment sitze ich an den letzten Arbeitsschritten zu einem kompakten Roman. Eine Art Schnulzenroman* mit Thrilleranteil und viel Herzeleid und Liebelei, der sich frecherweise vor den abschließenden Teil des Trywwidt-Projekts gedrängelt hat.

Seit gut einem Monat arbeite ich an diesem Spontan-Projekt und hämmere in jeder freien Sekunde in die Tasten. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich, wann immer es ging, daran gewerkelt. Zum Glück hatte ich Urlaub. Zumindest, wenn ich meine Arbeitstage am ersten Weihnachtsfeiertag und zu Silvester gedanklich ausblende. Leider türmen sich durch das exzessive Schreiben schon wieder die Wäscheberge und auch der Rest vom richtigen Leben fällt hinten runter, da ich, egal wo und mit wem ich unterwegs bin, nur körperlich anwesend bin. Mein Geist ist leider abwesend, da meine Gedanken um den Text kreisen.

Dank dieser exzessiven Art des Schreibens sind meine Energiereserven trotz der freien Tage bedenklich heruntergebrannt. Mal wieder beweist mir das richtige Leben, dass es nicht vereinbar ist mit meinem Autorinnendasein. Es scheint tatsächlich nur ein „Entweder/Oder“ zu geben. Bei einem Nebeneinander von Schreiben/Arbeiten/Familie/Haushalt gehe ich nach und nach in die Knie, weil ich keiner der drei bis vier Parallelwelten gerecht werden kann, ohne die anderen zu vernachlässigen.

Trotzdem bin ich glücklich und auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich den Schnulzenroman an meinen freien Tagen praktisch abschließen konnte. Jetzt fehlt nur noch ein Cover, ein Titel (obwohl ich den wahrscheinlich schon habe) und ein fast echter englischer Autorenname, den ich eigentlich auch schon habe. Danach kann ich mit neuem Schwung das Trywwidt-Projekt in Angriff nehmen und hoffentlich spätestens Ende 2018 beenden.

So, wie es aussieht, wird der letzte Trywwidt-Teil auch mein letztes großes Romanprojekt auf lange Sicht bleiben, da es leider nicht klappt, mehrere Leben gleichzeitig zu leben.


*) Eigentlich sollte es eine Parodie auf die vielen seltsamen E-Books im Amazonien-Shop werden, die so schräge Titel haben wie „Die verliebte Leihmutter des Alpha-Scheichs“ und die sich lesen, als wären sie mit Google-Translator übersetzt worden. Schrägerweise schaffen es Titel dieser Art immer wieder an die absolute Spitze der Verkaufscharts. Wobei ich mir bis heute nicht sicher bin, ob es an den Buchcovern liegt (Waschbrettbäuche in allen Entwicklungsstadien), die einen unwiderstehlichen Kaufreflex auslösen. Oder daran, dass die Autoren dieser Bücher einen geheimen Weg gefunden haben, nach ganz vorne an die Spitze zu kommen, ohne mühsam echte Leser finden zu müssen.
Mein meistens halbwegs gesunder Menschenverstand – außer vielleicht, wenn Schokolade oder Kaffee unverhofft alle sind – will einfach nicht glauben, dass Leser-/innen freiwillig solche Bücher in Massen kaufen und auch noch mit Vergnügen lesen.
Leider ist es dann doch keine Parodie geworden, weil ich dazu nicht locker genug im Kopf bin und mir meine Lebenszeit zu schade ist, mir etwas über Alpha-Wikinger und ihre unehelichen Vierlinge, die in Wirklichkeit verzauberte Werwölfe sind, aus den Fingern zu saugen. Deshalb ist es vermutlich eine echte Romantik-Schnulze geworden, mit ein bisschen Nervenkitzel.