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Vom Leben in Parallelwelten

Ein Fake-Buchcover

Nein, das ist nicht das echte Cover und auch nicht der Titel. Ich habe nur herumgespielt.

Im Moment sitze ich an den letzten Arbeitsschritten zu einem kompakten Roman. Eine Art Schnulzenroman* mit Thrilleranteil und viel Herzeleid und Liebelei, der sich frecherweise vor den abschließenden Teil des Trywwidt-Projekts gedrängelt hat.

Seit gut einem Monat arbeite ich an diesem Spontan-Projekt und hämmere in jeder freien Sekunde in die Tasten. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich, wann immer es ging, daran gewerkelt. Zum Glück hatte ich Urlaub. Zumindest, wenn ich meine Arbeitstage am ersten Weihnachtsfeiertag und zu Silvester gedanklich ausblende. Leider türmen sich durch das exzessive Schreiben schon wieder die Wäscheberge und auch der Rest vom richtigen Leben fällt hinten runter, da ich, egal wo und mit wem ich unterwegs bin, nur körperlich anwesend bin. Mein Geist ist leider abwesend, da meine Gedanken um den Text kreisen.

Dank dieser exzessiven Art des Schreibens sind meine Energiereserven trotz der freien Tage bedenklich heruntergebrannt. Mal wieder beweist mir das richtige Leben, dass es nicht vereinbar ist mit meinem Autorinnendasein. Es scheint tatsächlich nur ein „Entweder/Oder“ zu geben. Bei einem Nebeneinander von Schreiben/Arbeiten/Familie/Haushalt gehe ich nach und nach in die Knie, weil ich keiner der drei bis vier Parallelwelten gerecht werden kann, ohne die anderen zu vernachlässigen.

Trotzdem bin ich glücklich und auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich den Schnulzenroman an meinen freien Tagen praktisch abschließen konnte. Jetzt fehlt nur noch ein Cover, ein Titel (obwohl ich den wahrscheinlich schon habe) und ein fast echter englischer Autorenname, den ich eigentlich auch schon habe. Danach kann ich mit neuem Schwung das Trywwidt-Projekt in Angriff nehmen und hoffentlich spätestens Ende 2018 beenden.

So, wie es aussieht, wird der letzte Trywwidt-Teil auch mein letztes großes Romanprojekt auf lange Sicht bleiben, da es leider nicht klappt, mehrere Leben gleichzeitig zu leben.


*) Eigentlich sollte es eine Parodie auf die vielen seltsamen E-Books im Amazonien-Shop werden, die so schräge Titel haben wie „Die verliebte Leihmutter des Alpha-Scheichs“ und die sich lesen, als wären sie mit Google-Translator übersetzt worden. Schrägerweise schaffen es Titel dieser Art immer wieder an die absolute Spitze der Verkaufscharts. Wobei ich mir bis heute nicht sicher bin, ob es an den Buchcovern liegt (Waschbrettbäuche in allen Entwicklungsstadien), die einen unwiderstehlichen Kaufreflex auslösen. Oder daran, dass die Autoren dieser Bücher einen geheimen Weg gefunden haben, nach ganz vorne an die Spitze zu kommen, ohne mühsam echte Leser finden zu müssen.
Mein meistens halbwegs gesunder Menschenverstand – außer vielleicht, wenn Schokolade oder Kaffee unverhofft alle sind – will einfach nicht glauben, dass Leser-/innen freiwillig solche Bücher in Massen kaufen und auch noch mit Vergnügen lesen.
Leider ist es dann doch keine Parodie geworden, weil ich dazu nicht locker genug im Kopf bin und mir meine Lebenszeit zu schade ist, mir etwas über Alpha-Wikinger und ihre unehelichen Vierlinge, die in Wirklichkeit verzauberte Werwölfe sind, aus den Fingern zu saugen. Deshalb ist es vermutlich eine echte Romantik-Schnulze geworden, mit ein bisschen Nervenkitzel.

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Triggerwarnungen in Büchern: Was das mit mir beim Schreiben macht und was Psychologen dazu sagen

In letzter Zeit lese ich des Öfteren Blogtexte, in denen es um die Wichtigkeit von Triggerwarnungen in Büchern geht. Solche Warnungen sollen traumatisierte Menschen vor verstörenden Inhalten bewahren. Das fand ich grundvernünftig, wurde doch meist anhand des tragischen Beispiels einer Freundin, die als traumatisierte Person durch das unverhoffte Lesen brutaler Textstellen retraumatisiert wurde, die Wirkung dieser Trigger erläutert. Auch auf Bücherblogs wird hin und wieder der Wunsch geäußert, gewisse Bücher mit Triggerwarnungen zu versehen. Zudem habe ich gesehen, dass Leser durchaus auch „Sternchen“ in der Bewertung abziehen, wenn ein Buch mit gewaltbeschreibenden Textstellen keine Triggerwarnung aufwies.

In mir bleibt nach dem Lesen solcher Beiträge ein dumpfes Schuldgefühl zurück. Ich schreibe Bücher über Vampire. Wesen, die kein Gewissen besitzen und die ihrem Gegenüber unter Umständen unbeschreiblich üble Dinge antun. Dennoch schreibe ich keinen Splatter oder Horror, sondern Urban Fantasy für den Durchschnittsleser oder die Durchschnittsleserin. Es gibt jedoch Vampirgeschichten, die alles andere als gewalttätig oder beängstigend sind, sondern eher lustig oder romantisch. Solche Geschichten könnten die Erwartung schüren, auch meine Vampirgeschichten wären so. Zumal die Cover meiner Bücher recht unblutig daherkommen.

Was passiert nun, wenn eine schwer traumatisierte Leserin eine nette Geschichte erwartet und dann unverhofft Mara Mondschatten im Blutrausch erlebt? Oder Doktor Messerbach, wie er Korwin Schwarzvogel an den Rand des wirklichen Todes foltert? Ich versuchte, es mir lieber nicht auszumalen. Doch das schlechte Gewissen drückte immer mehr.

Bald merkte ich beim Schreiben, dass eine kleine Schere in meinem Kopf zu schnippeln begann. Fragen wie „Lasse ich diese Gewaltszene lieber weg?“ oder „Darf ich das überhaupt so schreiben?“ schlichen sich immer öfter in meinen kreativen Prozess und drohten, meine Texte zu beeinflussen. Auch beim Klappentext fing ich an zu überlegen, wie ich daraus einen Warntext machen könnte. Etwas, das eher einem Beipackzettel zu einem Medikament gleicht als einer Zusammenfassung des Romans.

Als mir der nächste Triggerwarnungs-Blogartikel über den Weg twitterte, befragte ich aus reiner Neugier zu diesem Thema zwei Fachleute. Eine Diplom-Psychologin und einen Kinder- und Jugendpsychiater. Beide antworteten mir im selben Tenor: Triggerwarnungen bei Unterhaltungsliteratur halten sie für „Humbug“ oder „Bullshit“.

Mir wurde erläutert, dass es in der Traumatherapie darum ginge, das Trauma zu verarbeiten und den Patienten zu befähigen, ein normales Leben zu führen. Und zu diesem normalen Leben gehöre auch der Konsum von Unterhaltungsmedien. Es sei im richtigen Leben unmöglich, Triggern aus dem Weg zu gehen. Zumal traumatisierte Menschen nicht nur auf direkte Stimuli verstört reagieren können. Um ein Flashback auszulösen, würde schon – je nachdem, wie das Verbrechen passiert sei – eine Kleinigkeit ausreichen, wie z.B. zufällige körperliche Nähe in einem öffentlichen Verkehrsmittel. (Ich selbst habe von einem Fall gehört, da löste der Geruch eines Duschgels einen Flashback aus.)

Das Therapieziel bei Traumaopfern sei nicht die Vermeidung solcher Situationen, denn das würde das Leben der Betroffenen extrem einschränken. Meine Ansprechpartner wiesen mich darauf hin, dass Traumapatienten mündige Menschen seien und deshalb in der Lage dazu, ein Buch sofort zu unterbrechen, wenn sie an eine Stelle gelangen, die in ihnen Angst, Unwohlsein oder zu starke Erinnerungen auslösen. Solche Triggerwarnungen könnten von Betroffenen sogar als Gängelung empfunden werden.

Neben dem Hinweis: „Für tatsächliche Trauma-Kranke muss die Welt nicht wattiert werden“ erhielt ich auch noch Formulierungshilfen für den Klappentext, falls ich an der Triggerwarnungstheorie festhalten sollte:

„Dieses Buch enthält Unvorhergesehenes, mehr als das Cover erahnen lässt. Für manche entstehen Gestalten, die sich aus den Zeilen in ihr Leben bewegen und NIE wieder daraus verschwinden.“

Oder

„Das Lesen dieser Zeilen könnte Auswirkungen auf Ihr Leben haben.“

Unsere Fantasie befähigt uns, alles Mögliche – und auch das Entsetzliche – in diese nicht so ganz bierernst gemeinten Hinweise hineinzuinterpretieren. Und ich versuche jetzt, die Schere schnellstmöglich wieder aus meinem Kopf hinauszuwerfen. Es wird sicher eine Weile dauern. Aber Trywwidt und Korwin Schwarzvogel und ihre grausam-schrägen Abenteuer werden mir dabei helfen.

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„Eine Fee namens Johnny“ mit Illustrationen von mir

Merret hat es nicht leicht. Die Kleine ist Brillenträgerin. Ein Pflaster verklebt eines der Brillengläser, was immer wieder Angriffsfläche für mobbende Mitschüler bietet. Und dann wird auch noch ihr Hund Freddie krank. Merret könnte verzweifeln, wenn da nicht auf einmal dieser geheimnisvolle Johnny auftauchen würde. Und der hat so einige Tricks auf Lager. In „Eine Fee namens Johnny“ wird eine Geschichte über Angst und Mut, über Selbstbehauptung und die Kraft von Freundschaft und Fantasie erzählt, verpackt in ein spannendes Fantasyabenteuer für Kinder zum Vorlesen oder zum selber lesen.

Als ich Ende 2016 die Anfrage der Autorin Anke Höhl-Kayser erhielt, ob ich nicht mal für ein Kinderbuch was zeichnen kann, musste ich eine ganze Weile mit mir kämpfen. Einerseits habe ich bis vor einigen Jahren sehr viel gemalt und gezeichnet. Andererseits habe ich das Ganze nach der Geburt meiner Tochter aufgeben müssen, weil die innere Ruhe, die ich zum Malen brauche, nicht mehr da war. Außerdem befand ich mich damals in der Endphase der Überarbeitung meines zweiten Trywwidt-Romans. Und an zwei großen Projekten parallel arbeiten, das ist bei mir leider nicht drin. Trotzdem bin ich nach einigem Hin und Her das Wagnis eingegangen, habe mich auf den Hosenboden gesetzt und die Illustrationen für das Buch geliefert. Ich hoffe, es macht euch genauso viel Spaß, das Buch zu lesen, wie es mir Freude gemacht hat, die Illustrationen zu zeichnen.

„Eine Fee namens Johnny“ gibt es überall im Buchhandel. Als E-Book oder gedrucktes Buch (ISBN-13: 978-3957651143).

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Aufbruchsstimmung: Dieser Herbst ist mein Frühling

Zur Zeit geht es bei mir Schlag auf Schlag. Den Sommer über habe ich an der Druckausgabe von Trywwidt II gearbeitet. Seit Oktober ist das Taschenbuch im Handel erhältlich. Im Buch sind, genau wie im ersten Teil, wieder ein paar Illustrationen von mir zu finden.

Wenn alles klappt, werde ich vielleicht sogar eine Lesung zum zweiten Band in einem Leipziger Club machen.

Meine Coverbild-Künstlerin Anke Merzbach hatte zudem die Idee für fetzige Magnet-Lesezeichen, sodass ich mit dem Gedanken spiele, mal wieder eine Verlosung auf Facebook zu starten.

Auch zur Pressearbeit konnte ich mich motivieren. Vermutlich wegen des Energieschubs, den mir die zufällig im Kühlschrank gefundene Schokolade verpasst hatte.

 

Neben der Druckausgabe von Trywwidt II habe ich im Oktober mit Schattenruf eine echte Neuerscheinung vorzuweisen. Eine Erzählung, die mit meinen Trywwidt-Romanen im lockeren Zusammenhang steht. Wenn man so will eine Art „Sequel“.

Sie ist als E-Book erschienen und kann kostenlos in so ziemlich allen Shops heruntergeladen werden.

Das Cover habe ich dieses Mal selbst gestaltet. Es musste schnell gehen und es hat Spaß gemacht.

 

Und noch ein weiteres meiner E-Books schafft gerade den Sprung aus der virtuellen in die reale Welt. Die Schrägen Biester gibt es schon seit einigen Jahren als Ausstellung im Bergzoo in Halle (Saale) sowie als Kindle-E-Book. In letzter Zeit haben sich die Anfrage gehäuft, ob es die in der Ausstellung gezeigten „Biester“ nicht auch als Buch zu kaufen gäbe. Also habe ich – Augen zu und durch – das Projekt in Angriff genommen und eine Druckvorlage erstellt. Diese werde ich, wenn nichts dazwischen kommt, in der ersten Novemberwoche bei Books on Demand hochladen und zum Druck freigeben.

Und weil das noch nicht reicht, scheint gerade ein tolles Kinderbuch im Lektorat zu sein, zu dem ich Illustrationen geliefert habe. Das Buch soll noch im November erscheinen. Aber dazu mehr, wenn es soweit ist.

 

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Autorenleben im Web 2.0

Manuskriptseiten

Arbeit an der Druckversion zu „Schräge Biester“

Neben meiner Webseite habe ich, wie vermutlich sehr viele andere Autorinnen und Autoren, eine Facebookseite. Auf dieser berichte ich von meinem Leben als Indie-Autorin.

Menschen, die meine Seite geliket haben, erfahren, wenn ich etwas Neues veröffentliche oder andere Erfolge vermelden kann. Leider besteht das Autorenleben nicht nur aus Erfolgen, die einem mühelos zufliegen und nur darauf warten, in die Welt posaunt zu werden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Zumindest in meinem ganz speziellen Fall.

Ich empfinde das Schreiben als etwas unglaublich Spannendes und Bereicherndes – nicht zuletzt, wenn ich von Lesern Feedback via Rezension oder Mail bekomme. Und zugleich kann das Schreiben auch anstrengend sein.

Einerseits fällt es mir leicht, stundenlang vor dem Rechner zu sitzen und Wörter in die Tastatur zu hämmern. Heimlich bezweifle ich sogar die Existenz jener mysteriösen Schreibblockade, die andere Autoren immer wieder zu plagen scheint. Wobei ich das nie laut sagen würde. Genauso wenig, wie ich die Existenz von Kopfschmerzen verneinen kann, nur weil ich selbst noch nie im Leben welche hatte.

Und dann ist da dieses „Andererseits“. Die Zeit, die oft zum Schreiben fehlt. Der Alltag, der den Kopf so dicht und müde macht, dass an Schreiben nach der Arbeit oder am Wochenende zwischen den Wäschebergen nicht zu denken ist. Die Selbstzweifel, die an mir nagen: Ist der Text gut genug? Kann ich es wagen, mich mit meinen selbstverlegten Büchern an die Presse oder an den Buchhandel zu wenden? Kann so jemand wie ich eine Lesung machen? Dann die Zweifel an meinem Text, die aufkommen, wenn ich die nur langsam wachsende Anzahl von Rezensionen im Webshop sehe oder die eher bescheidenen Verkaufszahlen. Auch das gehört zum Alltag. Zumindest zu meinem Alltag als Indie-Autorin.

Ich sehe es deshalb nicht als meine Mission an, die sozialen Netzwerke oder meine Webseite pausenlos mit Erfolgsmeldungen vollzuschreiben, gespickt mit Herzchen und Küsschen und diversen Hinweisen darauf, wie überglücklich und unglaublich aufgeregt ich bin. Ich versuche eher, so gut es geht, ein halbwegs reales Bild meiner Autorenpersönlichkeit abzugeben. Dabei kann ich nicht ständig in Partystimmung sein und betrunken vor Freude an mir selbst das Internet volljubeln.

Auch wenn ich manchmal selbstironisch bin und manchmal vielleicht auch ein ganz kleines bisschen verzweifelt, mindert das weder meinen Spaß am Schreiben noch die Qualität meiner Texte.