Warum ich manchmal Leute bei Twitter blockiere

Soweit ich weiß, ist es voll fies, Leute in Sozialen Netzwerken zu blockieren. Richtig fies ist es, wenn es auch noch „die Guten“ sind. Also Leute, die den Anschein erwecken, die Welt retten oder zumindest verbessern zu wollen. Vorausgesetzt, sie leben tatsächlich genau das, was sie in ihren Tweets der Welt verkünden – unter anderem mir, als winzig kleinem Teil dieser Welt.

Zum Glück verirren sich fast nie Leute in meine Timeline bei Twitter, die ich sofort loswerden wollen würde. Also Menschen, die menschenverachtende Inhalte verbreiten. Diese würde ich reflexhaft blockieren, ohne großartig darüber nachzudenken, da ich ihnen keine Bühne für ihr Treiben bieten will.

Und dennoch bin ich es leid, immer mal wieder beim Reinklicken in meinen Twitter-Account von „den Guten“ angeschrieen zu werden. Auch wenn es nur geschriebene Worte sind, wirken sie auf mich, als bekäme ich Ohrfeigen für Sachen, die ich niemals getan habe und aller Voraussicht nach auch niemals tun werde.

Besonders nervig finde ich inzwischen Tweets, die mit „Hört auf …!“ anfangen. Meist folgt darauf eine Binsenweisheit, von der ich annehme, dass sie Menschen mit halbwegs okayer Erziehung ohnehin instinktiv befolgen würden. Oder es sind Forderungen, die ganz klare Eingriffe in die künstlerische Freiheit darstellen, sollte ich als Autorin gezwungen sein, dieses „Hör auf!“ widerspruchs- und ausnahmslos in allen meinen Texten befolgen zu müssen.

Ich bekomme jedes Mal verbal eine runtergehauen, wenn mir – mal wieder – so ein „Hört auf!“-Tweet in die Augen springt. Und ich denke mir: „Warum soll ich mit was aufhören, das ich gar nicht mache?“ Und dann denke ich „Wer bist du, dass du das Recht hast, von oben herab der Welt zu verbieten, ihre Fehler zu machen? Etwa Gott?“

Und da ich eher zum Vergnügen bei Twitter bin, zum Austausch mit Leuten, die Bücher schreiben und lesen, zum Lesen von Nachrichten und Blogbeiträgen, die dort geteilt werden, nehme ich mir inzwischen die Freiheit, Leute zu blockieren, die mir – für mein persönliches Empfinden – zu übergriffig sind, auch wenn es sich vielleicht um Leute handelt, die versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen, oder es zumindest glauben.

Wahrscheinlich würde es schon reichen, diese Accounts stumm zu schalten. Aber ich traue der Sache nicht, denn Twitter spült mir diese Tweets mit schöner Regelmäßigkeit in die Timeline, obwohl ich die Accounts gar nicht abonniert habe. Deshalb gehe ich mit dem Blockieren auf Nummer sicher.

Also falls ich euch zufällig blockieren sollte, dann habt ihr absolut nichts falsch gemacht. Es liegt allein an mir. Ich mag einfach nicht beschimpft und angeschrieen werden für Dinge, die ich weder getan habe noch jemals tun werde.

Hinter meinem Wunsch, respektiert zu werden, so wie ich nunmal bin, stecken ungute Erfahrungen, die ich vor vielen Jahren in meinem Leben machen musste. Ich möchte weder in der realen noch in der virtuellen Welt auf diese Ebene zurückgeworfen werden.