Träume sterben langsam

Abgestorbene Orchidee, die das traurige Ende eines hoffnungsvollen Traums symbolisieren soll.
Das ist eine ehemals traumhaft schöne und nun tote Orchidee. Trywwidt wäre begeistert.

Eigentlich sollte nach dem 3. Band zu meinem Trywwidt-Projekt Schluss mit dem Schreiben sein. Ich hatte damals schon mehr als einmal feststellen müssen, dass ich es aus Zeit- und Kraftgründen nicht schaffe, zu schreiben, zu arbeiten und trotzdem noch für Familie und Haushalt da zu sein. Und sowas Flippiges wie eine gezielte Marketingstrategie für meine Bücher, daran war überhaupt nicht zu denken.

Dann kam die Einladung zu einer Anthologie mit Kurzgeschichten über starke Frauen und ich verfranzte mich zu sehr in meinem Textbeitrag, sodass daraus ein kurzer Roman wurde („Wintermaid“), für den auf Wunsch vieler Leser auch noch eine Fortsetzung entstand („Höhlenbrut“). Wie nicht anders erwartet, liefen auch diese Bücher ähnlich wie die Trywwidt-Bände. Es gab einige begeisterte Leserinnen und Leser samt motivierendem Feedback. Ansonsten gab es nur recht wenig Interesse an den Büchern. Meine zaghaften Versuche, Werbung für die Bücher zu machen, entpuppten sich als Strohfeuer, die ich aus Zeit- und Kostengründen nicht am Brennen halten konnte.

Deshalb fühlt sich mein schon seit längerem gefasster Entschluss, das Schreiben sein zu lassen, jeden Tag ein bisschen richtiger an. Trotzdem komme ich nicht so schnell aus dem Spiel heraus. Im Moment habe ich noch einiges an Arbeit vor mir, was das Taschenbuch zu „Höhlenbrut“ betrifft. Hier muss ich noch die Feinarbeiten am Textsatz machen, um das Buch bald für den Handel freizugeben. Von „Wintermaid“ wurden übrigens maximal 5 Taschenbücher über den Buchhandel verkauft. Deshalb hält sich meine Motivation in Grenzen, an dem Taschenbuch für „Höhlenbrut“ zu arbeiten.

Parallel dazu sitze ich an der Überarbeitung zum ersten Band von „Trywwidt“. Hier wurde mir immer wieder gesagt, es wären zu viele Füllwörter im Text, wodurch das Buch kaum lesbar sei. Der letzte Tiefschlag kam durch eine vernichtende Rezension*, in der es unter anderem hieß, die Leserin würde in jedem Satz Wörter rausstreichen wollen. Also hab ich mich ans Rausschmeißen der Füllwörter gemacht. Mein Ziel war es, den Text um ca. 5-10% zu kürzen, das Taschenbuch noch mal neu aufzulegen und in der kürzeren Variante etwas preiswerter anzubieten. Inzwischen bin ich schon zum zweiten Mal mit der Füllwörtersuche durch, mit dem durchschlagenden Erfolg, ca. 1.200 Wörter gelöscht zu haben. Auf ca. 190.000 Wörter ist das so gut wie gar nichts (weniger als drei Wörter pro Seite und nicht pro Satz, wie von der Bloggerin herbeigesehnt). Ob das Buch dadurch lesbarer geworden ist, bezweifle ich stark. Trotzdem werde ich das entflöhte E-Book vermutlich Ende September in den Shops aktualisieren.

Und dann gibt es da noch „Mit Eulen kuschelt man nicht“, mein allererstes E-Book, eine Anekdotensammlung, die ich inzwischen aus dem Handel genommen habe, um sie „irgendwann mal“ zu überarbeiten. Ein paar der Texte sollen bald in einer kleinen, firmeninternen Geschichtensammlung veröffentlicht werden. Sobald auch noch der Rest der Texte überarbeitet ist, werde ich das E-Book mit einem neuen Cover freischalten und vielleicht eine Taschenbuchversion dazu gestalten, vermutlich nur privat für mich, als Geschenkidee für meine Familie und Freunde.

Auch wenn ich mit meinen Büchern keinen wirklichen Erfolg hatte – ich meine diese Sorte Erfolg, die andere Leute aus meinem Umfeld als Erfolg anerkennen würden –, so konnte ich mir dennoch den einen oder anderen Traum erfüllen. Zwar hatte ich nie „schon immer“ den Traum, Bücher zu schreiben. Trotzdem fühlt es sich wie ein verwirklichter Traum an, Trywwidt, Wintermaid & Co geschrieben und veröffentlicht zu haben. Zumal ich damit ein paar Leuten frohe Lesestunden verschaffen durfte. Ein riesengroßer Erfolg, über den ich mich sehr freue.

Und vielleicht schreibe ich ja doch heimlich weiter. Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, sodass es keiner sieht. Und falls dabei was unglaublich Sensationelles herauskommt, schicke ich es an Agenturen oder Verlage, sollte ich bis dahin eine Mütze voll Mut gefunden haben.

*) Wenige Wochen später entdeckte ich eine andere Rezension, in der es hieß, der Leser hätte wegen des Romans mehrmals die U-Bahn verpasst und es wäre das Beste, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren erschienen sei. Das hatte mich endgültig davon abgehalten, die Trywwidt-Bücher aus den Shops zu löschen, auch wenn ich kurz zuvor noch wild entschlossen war, dem Elend ein Ende zu bereiten. Es ist für einen Autor einfach nicht möglich, es ausnahmslos allen Lesern recht zu machen. Das muss ich mir immer wieder sagen, auch wenn die Verrisse emotional noch so reinhauen.

Wahr ist, dass wir nicht merken, wenn sich ein Traum erfüllt"- Ein mit der Hand geschriebener Spruch, gefunden in einer Ferienwohnung.
Diesen Spruch habe ich in einer Ferienwohnung gefunden.