Sprache schafft Bewusstsein

Oder warum Gendern für mich fragwürdig ist

Wenn ich das Wort „Spiegelei“ höre, muss ich mich jedes Mal richtig zwingen, an was zu essen zu denken, denn ich sehe da nur einen Spiegel vor mir. Eine glänzende viereckige Fläche, auf der seltsamerweise ein Ei liegt, aber nichts knusprig Gebratenes.

Beim Wort „Pfannkuchen“ sehe ich eine gusseiserne Pfanne vor mir, in der ein Kuchen liegt. Mit Schokoglasur und Geburtstagskerzen drauf. An einen Berliner oder Krapfen oder Ähnliches zu denken, zu dieser Leistung ist das menschliche Gehirn nicht fähig. (Bei einem „Berliner“ denke ich übrigens immer an einen mürrischen Mann, der mich mal im Fahrstuhl angepöbelt hatte, weil ich den Knopf nicht schnell genug drückte. Und bei einem Fahrstuhl denke ich an einen Stuhl aus Holz mit Rädern, Verbrennungsmotor und Auspuff hinten dran. Und bei einem Knopf denke ich immer an was zum Draufdrücken und nie an das runde Teil mit zwei bis vier Löchern, das meine Jacke verschlossen hält.)

Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „Bulle“. Die armen Bauern schaffen es nie und nimmer, dabei an ein Weidetier zu denken, das bei ihnen auf der Wiese steht und „Muh“ sagt. Während die Bankräuberin damit ausschließlich einen gehörnten Wiederkäuer in Verbindung bringt, der bei einem Bauern auf der Wiese steht und „Muh“ sagt.

Das Wort Koks hat viele Brennstoffhändler in den Ruin getrieben, wenn Bestellungen von überspannten Managern kamen und die Händler denen eine LKW-Ladung Brennstoff auf Karbonbasis vor die Bürohochhaustür gekippt haben.

Auch das Wort Gras hat schon zu enttäuschten Gesichtern geführt. Vor allem bei Kiffern, wenn sie sich mit Grünschnitt von der Wiese konfrontiert sahen und bei Schafen, die mit dem Zeugs nichts so recht anfangen konnten, das plötzlich in kleinen Plastiktüten verpackt in ihrer Krippe lag.

Wo wir schon bei dem Wort „Krippe“ sind, denn oftmals legen Mütter* bei genau diesen Schafen auch ihre Babys in die Krippe, obwohl sie diese doch eigentlich in eine Kindereinrichtung bringen wollten. Durch die nahezu magische Macht der bewusstseinsschaffenden Sprache, ist es ihnen nicht möglich, hier zu abstrahieren und etwas anderes im Wort „Krippe“ zu sehen, als eine Futterstation für Stalltiere.

Apropos „Mutter“, Ich hab manchmal das Gefühl, dass mich meine Mutter überhaupt nicht versteht. Wenn ich mit ihr rede, kommt nie eine Reaktion. Sie liegt einfach stumm da, sechseckig, metallisch glänzend und mit ihrem perfekt ausgefrästen Gewinde. Als wäre sie absolut nicht an mir interessiert.

Selbst mit den Linsen ist es so eine Sache. Die Glasdinger knirschen immer so unangenehm zwischen den Zähnen, wenn ich sie als Suppe essen muss. Voll eklig. Während die zerkochten Hülsenfrüchte mir jedes Mal die Kamera verkleben, wenn ich die ans Objektiv dranschmiere.

Und jetzt esse ich erst mal einen leckeren Hackepeter. Schön frisch, blutig und körperwarm. „Peter, kommst du mal.“ Wo bleibt er denn? „Peter, mach hin, ich hab Hunger!“

*) Gerade für Frauen ist das aufgrund ihres kleineren Gehirns** mit dem Abstrahieren fast unmöglich. Deshalb ist es zwingend notwendig, im Sinne der Barrierefreiheit, an allen Wörtern, bei denen Frauen mitgemeint sein könnten, eine Markierung anzubringen, so dass die Frauen das auch erkennen können, dass sie zwar nicht zwingend gemeint, aber als Minderheit von knapp über 50% der Bevölkerung immerhin mitgemeint sind. Das gilt für das geschriebene wie gesprochene Wort.
Auch für Männer hat das einen entscheidenden Vorteil: Weil sie sich für die Berücksichtigung der Frauen in der Sprache stark gemacht haben, können sie sich entspannt zurücklehnen. Vom gemütlichen Lesesessel aus können sie ihrer Frau, die gerade von ihrem achtstündigen Arbeitstag nach Hause gekommen ist, beim Staubsaugen, Abwaschen, Wäsche waschen, Kinder bespaßen und Essen kochen zusehen und noch ein bisschen Kraft tanken, die sie brauchen, wenn sie sich später am Abend ihren Computerspielen oder ihren politischen Ämtern widmen.

**) Falls hier Twitter:_*innen mitlesen: Das mit dem kleinen Gehirn ist eine ironische Anspielung. Das meine ich nicht ernst. Das mit der Größe hat anatomische Gründe (Körpergröße z.B.).

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