#nichtfürmich II

Im Moment versuche ich, einen Umgang mit der Genederei für mich zu finden, bei dem ich seelisch nicht kaputt gehe. Es schmerzt mich wirklich sehr, was gerade passiert. Ich weiß, dass ich nichts dagegen unternehmen kann. Wenn die Lawine einmal losgerollt ist, lässt sie sich nicht mehr stoppen. Und die Lawine holt gerade richtig Schwung.

Auch wenn das seltsam klingt, ich habe den Eindruck, dass es ein Stück weit wie eine Art Religion funktioniert. Bei den Diskussionen zum Gendern habe ich sinngemäß immer wieder gelesen: „Früher konnte ich nichts damit anfangen, aber dann ging mir ein Licht auf!“ Das klingt für mich wie ein religiöses Erweckungserlebnis. Und genau das könnte mein Problem sein.

Ich kann mit Religionen generell nicht viel anfangen, auch wenn ich über sexy-skrupellose oder schelmisch-weise Göttinnen schreibe. Ich akzeptiere und toleriere religiöse Menschen, solange sie nicht versuchen, mich zu missionieren. Wenn das passiert, sind sie bei mir unten durch. Deshalb sträubt sich vermutlich auch alles in mir, endlich erleuchtet zu werden und zu dem Kreis der Auserwählten zu gehören. Es fühlt sich wie eine instinktiv verankerte Reaktion auf Indoktrinationsversuche an. Kein Wunder nach einer Kindheit in der Diktatur.

Ich werde in meinen Büchern nicht gendern, sollte ich jemals wieder eines schreiben. Wobei dieser Satz nicht ganz korrekt ist. Denn, wenn es mir wichtig ist, auf das Geschlecht einer Person hinzuweisen, so werde ich das durchaus tun. Aber aus „Wächtern“ würde ich in einem Fantasyroman oder einer Dystopie niemals „Wachende“ machen, wenn ich doch auch „Wachen“ oder „Wachleute“ sagen kann.

Einen * ein : ein _ oder ein I werde ich hoffentlich niemals in meine Wörter reinwürgen. Außer ich schreibe ein Projekt, wo ich genau damit spielen will. Sowas nennt sich Kunst. Und da ich keine experimentelle Poetin bin, werde ich mich an solcher Kunst vermutlich eher nicht versuchen.

Und im Leben außerhalb meiner kleinen Schreibwelt, werde ich meinen Konsum der öffentlich-rechtlichen Medien weitestgehend einschränken. Das Autoradio bleibt dann aus. Ich wollte mir ohnehin mal einen ganzen Schwung Musik aufs Handy laden. Dann ist das endlich ein Anlass, damit aus dem Knick zu kommen. So unterstütze ich Künstler und umgehe das Stottergendersprech, das mir einfach nur in der Seele wehtut. Und was die Nachrichtenlage betrifft, da genügt auch ein Blick in die Zeitung. Aufgrund meines Jobs muss ich das eh jeden Tag machen. Bei Instagram werde ich die Zeitung- und Rundfunkseiten deabonnieren. Das hatte ich damals bei Facebook auch schon getan und es war generell besser für die Seelenhygiene, da ich viel zu oft die goldene Sozial-Media-Regel „Niemals in die Kommentare klicken!“ vernachlässige.

Also: Rückzug in meine innere Welt. Das ist eh mein bevorzugter Modus als Autorin seltsamer Fantasyromane.

Und warum schreibe ich den ganzen Quatsch hier rein? Vielleicht findet es ja eine verlorene Seele, der es ähnlich geht. Vielleicht ist es ganz gut, zu lesen, dass man nicht alleine ist. Und falls es die Gendermenschen finden, dann gilt das, was ich auch den Zeugen Jehovas sage, wenn sie klingeln: Ich kriegt mich nicht. Sorry. Bin schon vergeben.

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Zwei Links für alle (also hauptsächlich für mich, weil das hier ohnehin kein Mensch liest), die dem Missverständnis aufsitzen, dass das Gendern Frauen sichtbarer machen soll:

https://www.deutschlandfunk.de/handbuch-fuer-genderneutrale-begriffe-mutter-als.2850.de.html

https://www.nordkurier.de/aus-aller-welt/hebammen-sollen-nicht-mehr-muttermilch-sagen-1542450602.html

Das Anliegen, die Frauen, sichtbarer zu machen, ist nur ein momentaner Nebeneffekt. Es geht darum, die Sprache geschlechtergerechter zu machen und zu zeigen, dass es eben nicht nur Mann und Frau gibt. In den verlinkten Beiträgen ist das Ganze einen Schritt weitergedacht, um wirklich niemanden auszuschließen, außer die diskriminierenden Begriffe „Frau“ und „Mutter“.
Das ist fast schon wieder auf eine schwarzhumorige Weise witzig. Frauen, die jahrtausendelang dafür kämpfen, endlich als vollwertige Menschen wahrgenommen zu werden, die werden genau dann, wenn sie ganz kurz vor der Ziellinie sind, gleich wieder weginterpretiert (z.B. als Frau* oder cis-Frau) oder müssen sich, wie beim momentanen „innen“, mit dem drittplatzierten Schlusslicht zufriedengeben, losgelöst vom eigentlichen Hauptwort werden sie zur sprachlichen Sichtbarmachung als eine Teilmenge diskriminierter Minderheiten miterwähnt. Eine vermeintliche Minderheit, die etwas mehr als 50% der Bevölkerung ausmacht.

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