Metzeln oder kuscheln und reden?

Abends nach der Arbeit tippe ich im Dämmerschlaf an meinem Rohtext zur Wintermaid-Fortsetzung. Die Geschichte spielt in einer Welt, in der in einigen Regionen allein das Recht des körperlich Stärkeren zählt. Die Menschen, die dort leben, sind fest davon überzeugt, das Recht zu haben, sich alles zu nehmen, was sie wollen und sei es das Leben jener, denen sie die Menschlichkeit absprechen.

Deshalb komme ich beim Schreiben immer wieder an einen Punkt, an dem sich diejenigen zur Wehr setzen müssen, die in meiner Geschichte sozusagen „die Guten“ sind, um diesem mörderischen Ansturm zu begegnen oder im Vorfeld zu verhindern. An allen diesen Punkten war meine erste Idee, ein wildes Gemetzel anzuzetteln, bei dem „die Bösen“ auf der Strecke geblieben wären. Und jedesmal konnte ich solche Szenen nicht schreiben, weil mir dadurch „die Guten“ unglaubwürdig erschienen. Denn wo würden sie sich noch von ihren Gegnern unterscheiden, wenn sie mit den selben Mitteln agieren? Zumal die Gegner ebenso überzeugt davon sind, das einzig Richtige zu tun, wie diejenigen, die in meiner Geschichte etwas positiver wegkommen.

Was als gut oder böse einzustufen ist, ist im Falle meiner Geschichte mal wieder lediglich ein Standpunkt, den der Betrachter einnimmt. Und dieser Standpunkt ist vom Lager abhängig, aus dem die jeweilige Figur stammt.

Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich die Wintermaid-Idee aus Kraft- und Zeitgründen so schnell heruntergeschrieben habe und keinen richtigen Roman daraus machen konnte, mit mehreren Handlungsfäden und kapitelweisen Perspektivwechseln, ähnlich wie bei „Trywwidt“. Ich hätte diese Gut/Böse-Angelegenheit gerne tiefergehend untersuchen und durcheinanderwirbeln wollen.

Und jetzt schreibe ich weiter. Ich bin gespannt, wann der nächste Entscheidungspunkt zwischen Gemetzel oder Gespräch kommt.