Meine böse beste Freundin: die Sprachlosigkeit

Das ist meine Protagonistin Lhan. Die jetzige Darstellung ist dem Coverdesign geschuldet. Beim Schreiben hatte ich ein anderes Bild von ihr im Kopf. Was aber okay ist, denn jede Frau kann „Lhan“ sein. Selbst wenn sie erst 10 Jahre alt ist oder nur eine Puppe für Kleinkinder.

Manchmal denke ich, ich habe mit „Wintermaid“ ein strunzdummes, ein plumpes Buch geschrieben, das jeglicher Grundlage entbehrt. Ein Machwerk, das mit billigsten Klischees und Vorurteilen nur so um sich wirft.

Und dann passieren gleich zwei Sachen auf einmal. Innerhalb kürzester Zeit. Und ich fürchte, dass mir als Frau – und meiner Tochter als irgendwann mal Frau (wenn alles gut geht) – Lhan sehr viel näher steht, als mir lieb sein kann.

Da war zum Beispiel die „dumme Hure“. Eine Bezeichnung, die auftauchte, als meine Tochter es wagte, ein von ihr selbst gemaltes Katzenbild in den Klassenchat auf WhatsApp zu stellen. Der Chat existierte zu dem Zeitpunkt kaum mehr als zwei Wochen. Die Kinder in der neuen Klasse kannten sich kaum. Aber der Junge, der sie so anredete, war sich ganz sicher, dass meine zehnjährige Tochter eine „dumme Hure“ sein müsse. Schließlich hatte sie sich erdreistet, ein selbst gemaltes Bild zu veröffentlichen. Und dann auch noch ein hässliches.

Als Eltern haben wir an dieser Stelle interveniert und dafür gesorgt, dass das Ganze vor der Klasse zur Aussprache kam. Es wurde sich entschuldigt und ich versuche, noch mehr ein Auge drauf zu haben, was die Kinder dort treiben.

Apropos „treiben“. Ha, ha, ha! Zwinker, zwinker. Was ist die erste Reaktion, wenn jemand eine niedliche, ziemlich kleine Puppe für Kleinkinder sieht? Aus weichem Stoff gefertigt, per Handarbeit. Auf diese Frage gibt es zwei Antworten. Eine für Frauen. Und eine für Männer. Wobei ich bei letzteren die richtigen Männer meine. Die Kerle, die es voll draufhaben. Ihr wisst schon. Zwinker, zwinker und so.

Ich habe das heute getestet. Die Reaktion der beiden Frauen, die unwissentlich an meinem kleinen Test teilnahmen, waren: „Aaah! Wie süüüüß“ *Schrilles Kreischen.* „Darf ich die mal nehmen?“ *Ehrfurchtsvolles Entgegennehmen.* „Ich möchte auch so eine. Hach!“ *Herzchen in den Augen*

Die Reaktion der beiden Männer: „Gibt’s die auch in Erwachsenengröße?“ und „Ist die dann auch abwaschbar?“ und „Hat die dann auch so ’nen Mund?“ *Mund zu einem Knutschmund verzerrt, der ein Schwanzlutschen andeutet samt den dazugehörigen Saugbewegungen*

Wie gesagt. Es ging um eine recht kleine Puppe. Für Kleinkinder. Aus weichem Stoff. Mit einem Kleidchen, Zöpfchen und gehäkelten Schuhchen. Und das Schlimme war: Ich war sprachlos. Mir fiel nichts anderes ein, als die beiden aus dem Raum zu werfen. Und selbst da hörten sie nicht auf zu „scherzen“ und zu „saugen“. Ha, ha. Zwinker, zwinker. Und so.

Ich fürchte, „Lhan“ ist überall. Ich wünschte mir, „Mo“ würde auch irgendwo da draußen sein. Und seine Schwester Sell, die jedem eine knallt, der sich Frauen und Mädchen gegenüber derart mies aufführt. Verbal und im übertragenen Sinne würde da sicher schon reichen. Ich bekomme es ja leider nicht gebacken, da es mir viel zu oft die Sprache verschlägt.