Marketingblues

Eine Katze sitzt auf einem Schreibtisch

Kater Schrumpel post meistens freiwillig für meine Social-Media-Fotos.

Jetzt kommt einer dieser Beiträge, die man lieber nicht schreiben und schon gar nicht veröffentlichen sollte. Schlimm genug, überhaupt in eine solche Richtung zu denken. Ich hab’s trotzdem aufgeschrieben, da es mich gerade beschäftigt.

Über meinem fast immer strahlend blauen Autorinnenhimmel, über den normalerweise Regenbögen pupsende Einhörner flattern – rosa Einhörner mit Glitzer selbstverständlich, auch wenn sie auf den ersten Blick wie tiefschwarze Fledermäuse mit Fangzähnen aussehen –, zieht langsam aber unaufhaltsam ein dunkler Schatten auf. Und dieser Schatten hat einen Namen: MARKETING.

Mein Trywwidt-Projekt steht kurz vor dem Abschluss. Nur noch der Korrekturdurchgang fehlt, und das Buchcover wird auch gerade gestaltet. Letztlich müsste ich schon jetzt aus allen Rohren feuern und auf das Buch sowie auf mich als tolle Autorenpersönlichkeit aufmerksam machen. Sich dem Spiel zu verweigern, wäre tödlich für das Buch. Das kann ich gerade bei meinem Liebesroman In Love with a Phantom live und in Farbe beobachten.

Allein der Gedanke ans Marketing versetzt mich in eine Art Schockstarre. Dabei stehen durch die sozialen Medien Türen offen, an die vor wenigen Jahren nicht einmal zu denken war. Trotzdem schaffe ich es nicht, über meinen eigenen Schatten zu springen und „Trara! Hier bin ich! Trötröt!“ zu tönen. Zu groß ist meine Angst davor, anmaßend zu sein, für etwas Aufmerksamkeit einzufordern, das diese nicht verdient hat. Auch wenn ich es in den vergangenen Jahren versucht hatte, mich social-media-mäßig aktiv einzubringen, viel mehr als ab und zu ein Katzenfoto bei Twitter oder Facebook hochzuladen, ist dabei nicht rausgekommen. Wäre Kater Schrumpel nicht so fotogen, ich wäre echt aufgeschmissen.

Kreativ sein, Ideen haben, bis zur Selbstaufgabe über Jahre hinweg an einem Projekt dranbleiben und es bis zum Schluss durchziehen, das kann ich. Danach aber auch noch „Hoppla! Jetzt komm ich!“ durch die Welt zu jubilieren, selbst wenn es nur die virtuelle ist, daran scheiterte ich. Inzwischen bin ich mir sicher, dass diese Eigenschaft mindestens genauso wichtig ist, wie die Sache mit den Ideen und der Kreativität. Vielleicht am Ende sogar wichtiger, entscheidet sie doch darüber, als Autorin wahrgenommen zu werden oder unterzugehen.

Kuchen mit einer hellen Schokoglasur und Noten und Klaviertasten aus Schokolade

Die Noten wollten nicht richtig trocknen. Beim Transport ist alles verschmiert.

Dabei bin ich noch nicht mal sonderlich ängstlich. Es ist eher das unbestimmte Gefühl, es mir einfach nicht erlauben zu dürfen, stolz auf das Erreichte zu sein. Eben die Sache mit der Aufmerksamkeit, die ich ganz allein und aktiv für etwas einfordern muss, an dem ich selbst zweifle. So wie ich an allem zweifle, was ich auf die Beine stelle, selbst wenn es der Geburtstagskuchen ist, an dem die Schokoladenglasur nicht 100 Prozent perfekt getrocknet ist.

PS: Das mit dem Zweifeln finde ich nicht schlimm oder belastend, sondern sehr wichtig, um bei dem, was ich so mache, besser zu werden. Ich will mich nicht auf vermeintlichen Lorbeeren ausruhen, sondern mich weiterentwickeln. Der Zweifel ist dafür ein Antrieb – und ein Klotz am Bein, wenn es ums Selbstmarketing geht.