Kraftakt

Ein Detail aus dem Coverbild für Band III

Meine Gedanken drehen sich fast pausenlos um den letzten Trywwidt-Teil, an dem ich seit März dieses Jahres wieder arbeiten kann. Davor musste ich aus Zeitmangelgründen eine Zwangspause einlegen, die etwa ein halbes Jahr andauerte.

Beim Auf und Ab des Schreibfortschritts habe ich gelernt, dass es ein gewaltiger Unterschied ist, ob ich einen Schnulzenromantext einfach mal so runtertippe, wie bei meinem Milliardärsroman-Experiment, oder ob ich in eine komplexe Geschichte eintauche, deren Protagonisten ich vielschichtig und lebendig darzustellen versuche. Das braucht viel mehr Hingabe und Energie, die ich nach meinem Job und dem Haushaltskram kaum aufbringen kann. Und wenn ich es doch versuche – und manchmal sogar schaffe – bezahle ich meist einen Preis dafür. Z.B. wichtige Termine, die ich vergesse, oder das Chaos in der Wohnung, das apokalyptische Ausmaße anzunehmen droht, weil der „Schreibflow“ alles ausblendet, was sonst noch wichtig im Leben ist.

Beim Schreiben kommt es mir oft so vor, als würde ich keine Verbindung zu meinen Protagonisten bekommen, als würde ich keinen Textfluss spüren. Die Distanz zwischen mir und dem Text ist groß, weil ich mich in der knappen Schreibzeit nicht hineinfallen lassen kann. In solchen Momenten fühlt es sich an, als trieben die Wörter wie Brocken in einem reißenden Strom, ohne geschmeidige Verbindungen miteinander einzugehen. Diese Geschmeidigkeit ist aber wichtig, um am Ende ein Kopfkino zu erzeugen und keine Holperstrecke, über die man sich beim Lesen quält.

Trotzdem bleibe ich dran am Trywwidt-Projekt. Ich will es unbedingt abschließen, bevor ich meinen altersschwachen Laptop ein letztes Mal zuklappe.

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Edit: Der Text hier entstand im April. Inzwischen ist es fast September und zwei Testleser haben das Manuskript gelesen. Sie mochten es. Mein „schlimmster Kritiker“ übernimmt wieder das, was bei anderen Büchern das Lektorat wäre. Er scheint es ebenfalls zu mögen. Er meinte, es wäre ein tolles Gefühl, wieder in die „Trywwidt-Welt“ eintauchen zu können. Das macht mir Hoffnung, dass es kein ganz so großer Mist ist, den ich da verzapft habe.