Graues Rauschen

Mein Manuskript: Die Anmerkungen häufen sich, auch wenn ich nicht weiß, was ich da lese.

Gleich nach dem Schreiben des Rohentwurfs ist das Lesen des ausgedruckten Manuskripts normalerweise meine Lieblingsaufgabe beim Schreiben eines Textes. Einfach gemütlich irgendwo hinkuscheln, in aller Ruhe im Text schmökern und hier und da eine Anmerkung an den Rand schreiben.

Dieses Mal ist alles anders. Zum einen ist da die Sache mit der Ruhe. Ein für mich ohnehin kaum noch erreichbarer Zustand, seit ich wieder einen festen Job habe und mich nicht mehr als Freelancerin durchs Arbeitsleben schummele.

Zum anderen überlagert die Corona-Pandemie derzeit jeglichen Gedanken an kreative Prozesse. Es ist mir kaum möglich, mich in den Text hineinfallen zu lassen, um das, was ich da lese, zu verstehen, zu bewerten und so darauf einzuwirken, dass es am Ende zu etwas Besserem wird. Im Gegenteil.

Die Wörter prallen an mir ab. Ich quäle mich von einer Seite zur nächsten und frage mich, wen dieses belanglose Gelaber interessieren soll. Zumal es doch Wichtigeres gibt, als die Frage, ob irgendeine Heldin irgendwelche Monster besiegt. Von jedem Kapitel, das ich gelesen habe, bleibt nur graues Rauschen im Kopf zurück.

Und dann ist da die Angst, dass das Gefühl der Belanglosigkeit und drückender Langeweile vielleicht gar nicht an den Umständen liegt, die alles Kreative in mir ersticken. Sondern dass es eher am Text selbst liegt. Wer weiß. Vielleicht ist er ja tatsächlich nichts weiter als eine Ansammlung holpriger Sätze und abgedroschener Floskeln.

Meine Testleserinnen haben mir versichert, dass dem nicht so sei. Da sie es lange vor „Corona“ gelesen haben, macht mir das ein bisschen Hoffnung. An die klammere ich mich fest, wenn ich tapfer gegen das graue Rauschen anlese.