Flatrate-Schock

Hilfe! Meine „Wintermaid“ versinkt im Flatrate-Sumpf. Und das Schlimmste daran: Ich habe sie höchstpersönlich reingestoßen. Aus Versehen, weil ich beim Hochladen des E-Books bei BookRix nicht aufgepasst und die Ausleihe über diverse Flatrates anscheinend mit angeklickt habe.

„Wintermaid“ wurde abgesternt – oder im Vorübergehen angerotzt

Die Strafe für diesen Fehler folgte auf dem Fuß. Das Buch wurde quasi im Vorübergehen gleich zweimal angerotzt. „Absternen“ wird das anonyme Sternchenvergeben von so manchem Autoren inzwischen genannt. Selbst bei Amazon ist es seit Kurzem möglich, ohne jegliche Rezension bzw. Kundenmeinung einfach ein paar Sterne zu vergeben. Oder eben Bücher „abzusternen“.

Letztlich sind Bücher, zumindest solche, die ich schreibe, inzwischen kaum mehr wert als ein Kaugummi. Zweimal drauf herumgekaut und dann weggespuckt. Ich kämpfe beim Überarbeiten der Wintermaid-Fortsetzung um jeden Satz, jeden Abschnitt, jede Seite, die mich in Richtung Ziel führt – natürlich nicht, weil ich wie eine Besessene mit dem Text ringe, mit meinen Protagonisten mitfiebere und mit reinstem Herzblut … , sondern weil ich abends nach der Arbeit viel zu müde und zu kaputt zum Schreiben bin. Am Manuskript zu arbeiten, kostet mich inzwischen mehr Kraft, als ich tatsächlich aufbringen kann. Da kommt so ein bisschen Rotze aus der Flatrate gerade recht, um mir klar zu machen, dass meine Arbeit nur Abfall ist. Ein ausgespuckter Kaugummi. Mehr nicht.

Ich hoffe, die Sache mit der Flatrate lässt sich rückgängig machen. Ich habe nie gewollt, dass eines meiner Bücher in diesem Sumpf landet. Wahrscheinlich war ich beim Hochladen des E-Books – mal wieder – zu müde, um zu begreifen, was ich da alles anklicke.

Auf der Seite der Autorenwelt ist ein recht ausführlicher Beitrag zum Thema Flatrate zu finden, der 2018 in der Federwelt erschien. Beim Lesen des Beitrags ist mir klargeworden, dass die Entwicklung, die die Bücherwelt gerade nimmt, zumindest für eine breite Masse der Schreibenden keine gute sein kann. Für die Leser ist es das Paradies. Oder besser: das Schlaraffenland.

Die gebratenen Tauben fliegen einem direkt in den Mund. Ein kleiner Biss und sofort gelangweilt wegspucken, denn der nächste Taubenschwarm naht. Es erinnert mich stark an das, was nach dem Aufkommen von mp3 mit der Musik passiert ist. Ich konnte es damals als „Freundin von…“ eines Indie-Musikers live und in Farbe beobachten. Ich bin sehr dankbar dafür, nicht vom Schreiben leben zu müssen*. Auch wenn ich wünschte, mehr Zeit dafür zu haben.

*) Na gut. In Wirklichkeit lebe ich sogar vom Schreiben. Aber anders, als man sich das vielleicht vorstellt.