Erstarrtes Kribbeln

Kater Schrumpel, aufgenommen mit dem neuen Objektiv. Vielleicht ein erstes Bild für den „Kater Schrumpel Bildband“

Jetzt liegt es schon einige Monate zurück, dass ich das letzte Mal so richtig geschrieben habe. Manchmal kribbelt es noch in den Fingern. Ein Impuls, der mich über die Tastatur streicheln lässt. Ideen, die aufflackern, die aufgeschrieben werden wollen, die sich wie von selbst weiterentwickeln, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Doch ich bleibe hart. Die Stimme der Vernunft ist lauter als das Flüstern der Ideen. Und diese Stimme sagt: „Es hat keinen Sinn.“

Der Alltag saugt meine ganze Kraft und Zeit auf. Und angesichts der Unmassen von Büchern, die täglich veröffentlicht werden, macht es streng genommen tatsächlich keinen Sinn, ein weiteres zu schreiben und auf den bunten Haufen zu werfen, aus dem es derart laut „Lies mich!“ schreit, dass mir schon beim bloßen Gedanken daran die Ohren scheppern. Wie schon Mark Twain sagte: „Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.“

Und dann ist da noch die wirklich schräge Sache mit dem Autorendasein im Social-Media-Biotop. Seit etwa sechs Jahren spiele ich dieses Spiel mit. Meistens mit frohem Herzen. Gleichzeitig fühlt es sich irgendwie verzweifelt an. Wie in dem Roman „Einfach göttlich“ von Terry Pratchett, in dem der Autor die niederen Götter beschreibt, die sich den potenziellen Gläubigen aufdrängeln, um endlich wahrgenommen und dadurch überhaupt erst existent zu werden. Auf Dauer kostet es mich zu viel Kraft, wieder und wieder wie eine wilde Fee in die virtuelle Runde zu winken und „Hier bin ich!“ zu rufen. Mal abgesehen von den Katzenfotos mit Kater Schrumpel, die anscheinend recht gut ankommen, führe ich mit meinen Social-Media-Beiträgen meistens etwas, das schon recht nah an Selbstgespräche herankommt. Ein bisschen wie bei diesem Blog hier, auf dem ich aus DSGVO-Gründen die Kommentarfunktion abgeschaltet habe.

Da kommt schon wieder eine neue Idee angeschwirrt. Vielleicht sollte ich einen Bildband machen. Mit Fotos von Schrumpel. Zufällig habe ich zu Weihnachten ein ziemlich gutes Porträtobjektiv für meine Kamera geschenkt bekommen. Wenn das kein Zeichen ist! Und falls der Bildband keine Abnehmer finden sollte, kann ich ihn zur Not mit dem Gartenhäcksler zerhäckseln, den ich mir heute nachträglich zu Weihnachten geschenkt habe. Es ist übrigens ein geräuscharmer Walzenhäcksler. Vermutlich eine echte Erholung für die vom virtuellen „Lies mich!“-Geschrei gepeinigten Ohren.


Hey! Falls ihr es nicht bemerkt haben solltet: Ich habe gerade den erzählerischen Bogen von Bildbänden mit Katzenbildern zum geräuscharmen Gartenhäcksler hinbekommen. Vielleicht ein klein wenig an den Ohren herbeigezogen. Aber hinbekommen ist hinbekommen.