Ernüchterung

Das Sparschwein vorne links im Bild sollte vor ca. 15 Jahren Geld für ein Laptop sammeln. Leider ging dessen Verschluss ziemlich schnell kaputt, obwohl fast nie Geld darin war.

Der vergangene Dezember war so etwas wie mein Kampfmonat. Ich kämpfte mit dem Schriftsatz für die Taschenbuchausgabe des letzten Trywwidt-Bandes – und gewann. Außerdem kämpfte ich mit meinem schlechten Gewissen und bezahlte eine Werbeaktion für meine E-Books auf Facebook (das mir persönlich immer suspekter wird). Auch diesen Kampf habe ich gewonnen. Sozusagen. Mein waghalsiger Plan, durch die bezahlte Werbung mehr Leser als normalerweise für meine E-Books zu finden, ging tatsächlich auf. Ich rutschte mit meinen Büchern tief in die Top 1.000, wo ich normalerweise auf 100.000-er Verkaufsrängen herumtümpelte. Selbst jetzt, ca. vier Wochen nach Ende der Werbung, habe ich immerhin vier- bis fünfstellige Verkaufsränge und keine sechsstelligen, wie es für meine Bücher – außer, kurz nach einer Veröffentlichung – üblich wäre.

Trotzdem ist die Ernüchterung groß, auch wenn ich es schon vorher überschlagen hatte. Seit heute habe ich es Schwarz auf Weiß: Am Ende verdienen ausschließlich Amazon, Facebook und die Dienstleister an meiner jahrelangen Schreibarbeit. Bei mir als Autorin bleibt, wenn es so wie im Moment weiterläuft, zumindest finanziell absolut nichts hängen. Es geht eher in den Minusbereich. Das Traumziel, mit der bezahlten Werbung mehr Leser zu erreichen, habe ich tatsächlich erreicht. Die Hoffnung, auch Einnahmen zu generieren, selbst wenn es nur wäre, um für ein weiteres Projekt professionelle Dienstleister bezahlen zu können, ist weiter entfernt denn je.

Die Entscheidung, das Abenteuer Schreiben aufzugeben, fühlt sich gleich noch ein Stück richtiger an. Wenn ich das, was und wie ich schreibe, eh nicht wirklich verkaufen kann, ist es nur konsequent, letztlich ausschließlich für mich selbst zu schreiben. Ob ich eine Geschichte veröffentliche oder sie auf der Festplatte vermodern lasse, läuft im Grunde auf das Gleiche hinaus – nüchtern betrachtet.

Wobei es einen gewaltigen Unterschied zwischen Veröffentlichen und Vermodern gibt. Bei ersterem kann ich mir ein Stück Selbstbestätigung durch die Leser erschleichen, sofern sie die Geschichte mögen.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, brauche ich das mit der Selbstbestätigung nicht. Im Grunde weiß ich ja von ganz alleine, dass ich ein supertoller, … ähem … voll krasser, wertvoller … äh … Mensch bin.