Einfach nur müde

Mein kleines E-Book „Mara Mondschatten“ hatte es in die Leseempfehlungen der BookRix-Redaktion geschafft und ist auch auf der Liste zu den Empfehlungen für das „Buch des Monats“ beim großen E-Mail-Newsletter Kind of Book gelandet. Zeitgleich zu diesen für mich unglaublich motivierenden Nachrichten kam eine E-Mail meines Impressumsservice, dass dieser aus rechtlichen Gründen bis September eingestellt wird. D.h. ich habe bald kein gültiges Impressum mehr für meine zwei Webseiten, meinen Facebook- und Instagram-Account und für meine E-Books, die ich über Tolino und Amazon vertreibe.

Ich müsste mich jetzt also wieder um einen neuen Anbieter kümmern, der dieses Mal Geld kosten würde. Einen günstigen Anbieter habe ich inzwischen tatsächlich gefunden. Nur dass auch dieses wirklich günstige Angebot meine Einnahmen durch die E-Books im Grunde schon zum großen Teil auffressen würde. Und ich müsste bei den E-Books die Originaldateien finden, bearbeiten und wieder beim Anbieter hochladen. Das kostet wieder Zeit und Nerven. Meine Lust, noch einmal Anlauf zu nehmen, hält sich in Grenzen.

Außerdem steigt inzwischen mein linkes Auge aus, sodass es mir immer schwerer fällt, überhaupt auf den Bildschirm zu schauen. Mal abgesehen davon, dass meine Schreibzeit am Freitag fast immer durch gaaaanz wichtige Sachen, die mal ganz schnell noch erledigt werden müssen, aufgefressen wird.

Und mir macht die Gendersprachesache immer mehr zu schaffen. Ich drohe, daran kaputt zu gehen. Zumal es inzwischen auch in die Literatur reindrückt, wie mir die Blogbeiträge zur Debatte auf Buchreport sehr lebendig vor Augen geführt haben. Selbst die Lektoren scheinen es freudig zu begrüßen. Als hätten sie Zeit ihres Lebens unter der entsetzlichen Sprache gelitten und jetzt auf einmal wachen sie auf und merken, dass die Welt eine Bessere wird – wenn wir erst mal die Sprache geändert haben*. Die Ideologie wirkt wie eine Massenpsychose. Anders kann ich es mir nicht erklären. Oder es ist der soziale Druck, der inzwischen davon ausgeht und dem sich niemand entziehen kann, der weiterhin als Lektor oder Autor arbeiten will. Besser freudig mitmachen, anstatt gedisst und als dumm oder reaktionärer Menschenhasser abgestempelt zu werden.

Mir macht es schon lange keinen Spaß mehr, Beiträge auf den Seiten der Zeitungen zu lesen, wenn so viele Wörter plötzlich mutwillig durch Mathesymbole verstümmelt werden oder gleich ganz verschwinden und durch substantivierte Partizipien ausgetauscht werden. Ich bin sehr froh, hier mehrere tausend Bücher herumstehen zu haben, von denen ich einen ganzen Schwung noch nicht gelesen habe. Die Vorstellung, sehr bald Bücher in verstümmelter Sprache lesen zu müssen, erschreckt mich sehr.

Wenn sich die Genderei durchsetzt und konsequent umgesetzt wird, werden auf diese Weise sämtliche Wörter, die Personengruppen beschreiben, nach und nach ausgelöscht, durch verkopfte, arrogant und abgehoben wirkende Wortungetüme ausgetauscht oder mittels Mathesymbolen verstümmelt. Das ist aber nicht mehr die Sprache, die ich spreche oder in der ich schreiben oder denken will.

*) Das erinnert mich an meine eigenen Gedanken: So nach dem Motto, wenn ich erst mal 20 kg abgenommen habe und richtig schlank bin, dann wird mein Leben richtig schön sein. Anstatt einfach so drauf loszuleben und sein Ding zu machen.

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