Dauermüdigkeit versus Kreativität

Und wieder verstreicht ein Abend, an dem ich die Sache mit dem Schreiben aufgeben muss. In den letzten Wochen habe ich es geschafft, die lähmende Coronapanik zu überwinden und Zugang zum Wintermaid-II-Manuskript zu finden. Doch es ist nur ein oberflächlicher Zugang, der sofort verfliegt, sobald ich versuche, mich in die Charaktere einzufühlen, die Handlungsorte vor mir zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken.

Der magische Funke zündet einfach nicht, weil ich viel zu müde dafür bin, mich wirklich mit allen Sinnen auf den Text einzulassen. Tagsüber arbeite ich in meinem Job oder kümmere mich um Haushalt und Kind. Und nachts ist dann einfach keine Energie mehr da, um mich noch auf andere Dinge einzulassen, die eine gewisse Konzentrationsfähigkeit erfordern. Zumal das schlechte Gewissen permanent drückt, da ich alles, was ich mache, nur ein bisschen anreißen kann und keiner meiner Verpflichtungen wirklich gerecht werden kann.

Trotzdem will ich es im Laufe der Woche schaffen, mit dem Wintermaid-II-Manuskript so weit abzuschließen, dass ich es an die letzte Testleserin schicken kann. Im Grunde könnte ich das schon jetzt sofort, da ich eh nicht mehr dazu kommen werde, wirklich tief in den Text einzusteigen und noch großartig was zu reißen. Aber ich klammere mich an die Hoffnung, dass es vielleicht morgen besser wird oder übermorgen oder überübermorgen oder …

Dass Letztens meine Kindergeschichte von Bookrix gesperrt wurde, weil von ihr vermeintlich Gefahren für die Bevölkerung ausgehen (darin wird als Handlungsrahmen das Homeschooling während der Coronapandemie am Rande erwähnt, was wohl Leser verunsichern könnte) und kurz darauf die Absage für die Teilnahme an einem Online-Schreibkurs in mein E-Mail-Postfach flatterte, trägt derzeit nicht wirklich zu meiner Motivation bei. Trotzdem bleibe ich dran.

Neulich las ich im Thread einer Autorin, dass man nur solche Bücher schreiben sollte, die sich an den Erwartungen der Leser orientieren, um damit auch wirklich Geld verdienen zu können. Das mag sicher stimmen. Beim Lesen dieses Beitrags ist mir wieder bewusst geworden, dass dieser Ansporn „Geld zu verdienen“ für mich als Motivation niemals ausreichen würde, um trotz der Dauermüdigkeit kreativ zu sein und zu schreiben. Meine Hauptmotivation ist es, Bücher zu schreiben, die ich selbst gerne lesen würde. Nicht mehr und nicht weniger. Und es ist mir während des Schreibprozesses weitestgehend Rille, ob es am Ende von anderen gelesen wird oder nicht.

Am Ende scheinen die Absatzzahlen meiner Bücher weniger davon abhängig zu sein, dass ich vielleicht nicht leserkonform schreibe, sondern dass die E-Books Geld kosten. Das zeigen die Zahlen der vergangenen Monate auf eindrucksvolle und zugleich demotivierende Weise, wenn ich meine kostenlos angebotenen E-Books mit denen vergleiche, die wenige Euro kosten.