Das Kreuz mit der Reihe

Das Cover zu „Wintermaid“ hat die Designerin Yvonne Less (Art 4 Artists) gestaltet.
Wintermaid bei Amazon

Meine Fantasy-Erzählung „Wintermaid“ ist seit Anfang Mai veröffentlicht. Die bisherigen Leserreaktionen geben mir einen großen Energieschub, aller Zweifel zum Trotz weiterzuschreiben und vielleicht sogar diese Geschichte weiterzuentwickeln.

Die Erzählung „Wintermaid“ ist in sich abgeschlossen. Wäre da nicht die Sache mit dem „Danach“. Kurt Tucholsky schrieb einst ein gleichnamiges Gedicht und das beginnt so: „Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt. …“ Auch wenn er über einen Film dichtet, lässt sich das Gesagte auf Romane der Unterhaltungsliteratur anwenden, denke ich.

Illustration zu „Wintermaid“. Mit ein bisschen mehr Zeit, hätte ich gerne mehr Illustrationen in das Buch gesteckt.

Eine Geschichte kann im Grunde von dem Punkt aus, wo die Autorin oder der Autor „Ende“ darunter schreibt, immer weitergesponnen werden. Selbst wenn es die Protagonisten nicht überlebt haben sollten, könnten im nächsten Band zum Beispiel die Abenteuer der Halbstiefkusine vom angeheirateten Erbonkel eine Rolle spielen, sofern keine direkten Nachkommen, Eltern, Geschwistern oder Haustiere vorhanden sind. Es gibt sicher (fast) immer eine Möglichkeit, einen nächsten Band dranzuhängen.

Vielleicht werde ich genau das bei der „Wintermaid“ machen. Auch für meine Trywwidt-Trilogie gibt es inzwischen zwei konkrete Ideen für kürzere Folgebände, die sich lose an die ersten drei Bände anfügen könnten. (Sobald ich Zeit und Ruhe habe … das alte Spiel „Autorin versus Alltag“.)

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Leser/innen gerne mal zögern, wenn sie einen Reihenauftakt vor sich haben. Wer weiß, vielleicht schreibt die Autorin die Reihe gar nicht zu Ende. Oder der Verlag übersetzt nur die ersten zwei Bände und lässt es dann bleiben (das habe ich mal als Leserin erlebt und ich bin immer noch stinkesauer auf diesen Verlag. So!). Es ist sicher ein kleines Risiko, das man mit einem Reihenauftakt als Leserin oder Leser eingeht.

Auch ist mir schon untergekommen, dass Reihen nicht weitergeschrieben werden, wenn sich der Auftakt nicht so gut verkauft bzw. dass ein Weiterschreiben davon abhängig gemacht wird, ob das erste Buch gut ankommt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das nur logisch. Aus Sicht der Leserinnen und Leser, die den Einstiegsband gemocht und mit den Protagonisten mitgefiebert haben, kann es eine schmerzliche Erfahrung sein, weshalb vielleicht einige Leute tatsächlich zögern, mit dem Lesen gleich beim ersten Band anzufangen.

Um es kurz zu machen: Meine „Wintermaid“ ist definitiv nicht als Reihe konzipiert. Es ist ein in sich abgeschlossener Einzelband, der eine Episode aus dem Leben einer jungen Frau* erzählt, die ihren Weg in einer Gesellschaft zu finden versucht, in der eigene, selbstbestimmte Wege für Frauen nicht vorgesehen sind.

*) Wegen des Begriffs „junge Frau“ wurde ich in einem Facebook-Kommentar angegangen. Wenn ich den Kommentar richtig interpretiere, ist diese Bezeichnung diskriminierend und mein Buch deshalb nicht lesenswert. Ersteres war mir nicht bewusst, zumal ich bisher immer dachte, der Begriff bezeichnet eine Frau eher jugendlichen Alters. Und Letzteres können nur die Leserinnen und Leser entscheiden. Ich selbst kann das bei meinen eigenen Texten nie so richtig beurteilen.