Das Eichhörnchen ist müde

Selbstporträt mit Haselnuss (Das ist kein Eichhörnchen auf dem Foto, sondern ein Rosenkäfer. Er hatte sich nur tot gestellt, um mich auszutricksen.)

Nein, ich bin kein Eichhörnchen. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich Nüsse nur dann mag, wenn sie ordentlich mit Schokolade ummantelt sind. Trotzdem bin ich müde. Zumindest was das Schreiben betrifft. Im Grunde geht das schon seit zwei, drei Jahren so. Es hat sich im letzten Jahr nur noch einmal gesteigert.

Dabei dachte ich bis vor Kurzem, dass es von dieser Art Müdigkeit gar keine Steigerungsform mehr geben kann. Inzwischen werde ich eines Besseren belehrt, wenn ich Abend für Abend vor der Wintermaid-Fortsetzung sitze, auf das Manuskript starre und mich frage, was die vielen Wörter bedeuten sollen und ob sie denn auch einen Sinn ergeben.

Sinn oder Unsinn. Völlig egal. Ich schreibe das Ding trotzdem fertig. Es ist ja schon fertig. Ich muss es nur überarbeiten. Wobei sich das „nur“ seit Wochen als scheinbar unüberwindbare Barriere vor mir aufbaut. Ich klettere trotzdem Wort für Wort an der Steilwand hoch, in der Hoffnung, auf eine Lücke zu stoßen, durch die ich mich hindurchzwängen kann, um wieder Zugang zum Text zu finden.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Es liegt weder daran, dass ich keine Lust zum Schreiben habe, noch dass ich den Text doof finde. Im Gegenteil. Ich brenne, ich sehne mich danach, ich will so gerne … Ich komme nur abends als menschliches Gemüse von der Arbeit. Die einzige Freizeitbeschäftigung, die ich noch auf die Reihe bekomme, ist, die Raufasertapete anzustarren – ganz wie mein großes Vorbild „Bernd das Brot“. Und die Wochenenden sind meistens noch ausgefüllter als die Arbeitswoche, sodass auch da kaum ans Schreiben und Kreativsein zu denken ist.

So, wie es im Moment aussieht, wird wohl die Wintermaid-Fortsetzung tatsächlich das vorerst letzte Buch sein, das ich schreibe. Im Hinterkopf parken zwar schon längst ein paar ziemlich konkrete Ideen für eine eventuell allerletzte Geschichte um Trywwidt & Korwin. Leider reicht der Sprit in meinem Kreativtank* nicht aus, um den Motor anzuwerfen und loszulegen.

*) Eigentlich hätte am Schluss eine Eichhörnchen-Metapher kommen sollen, doch ich bin zu müde dafür, um mir eine auszudenken.