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Der Riss im Alltagsgrau

abrisshaus-3Meine Protagonisten leben nicht in den USA. Irland kennen sie nur von der Landkarte. Ebenso Schottland. Ich glaube, Ira war mal in London zu einem Kurzurlaub. Sie hat aber nie groß darüber gesprochen, da sie meistens andere Dinge beschäftigen als ihre Urlaube von vor drei Jahren. Dass Trywwidt für ein paar Stunden in Neuseeland vorbeigeschaut hat, hat sie durch ihre wilde Portalöffnerei vermutlich gar nicht mitbekommen. Und Korwin, nun ja, der ist eh ein Sonderfall, da er sich am liebsten in einem seiner Häuser verkriecht, möglichst nicht allzu weit weg von dem Ort, an dem er vor 800 Jahren zu einem Vampir gewandelt wurde. Mit solchen Protagonisten ist es schwer, einen Roman an besonders exotischen Orten spielen zu lassen. Sie leben einfach da, wo die meisten meiner Leser vermutlich auch leben. Irgendwo in Deutschland, in irgendeiner Stadt, die wie jede andere ist. Bis auf Trywwidt, die ja nur zu Besuch vorbei kommt und nebenbei Ira und Korwin versehentlich in Lebensgefahr bringt. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Meine Geschichten spielen ganz bewusst an Orten, die ich selbst nachvollziehen kann, in denen ich mich heimisch fühle, die dem Rahmen entsprechen, der auch meinen persönlichen Alltag umfasst. Und dieser Alltag ist meist vorhersehbar und eintönig. Da gibt es im Grunde überhaupt nichts Spannendes oder Fantastisches oder Gefährliches. Letzteres finde ich sogar ganz gut und hoffe, dass das auch weiterhin so bleibt. Und genau das birgt für mich den Reiz des Schreibens von Urban Fantasy: in genau diesen stinknormalen Alltag stinknormaler Leute einen Riss aufklaffen zu lassen, durch den das Fantastische sickert. Das bunte Chaos, das den grauen Alltag der Protagonisten durcheinanderwirbelt und auf den Kopf stellt. Ein Schuss Fantasie, der die Grenzen des Vorstellbaren sprengt.

Sollte es mich selbst in meinem ganz persönlichen, stinknormalen Leben für längere Zeit in die USA, nach Neuseeland oder Irland verschlagen, dann wäre es sehr wahrscheinlich, dass auch meine Geschichten dort spielen würden. Doch bis dahin versuche ich den Alltag, so wie ich ihn kenne, mit einer Prise Fantasie zu würzen und aus einer tristen deutschen Stadt einen Ort zu zaubern, an dem Vampire und Elfen ihre Abenteuer bestehen.
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abrisshaus-2Dieser Blogbeitrag entstand nach einer Diskussion unter Autoren, in der es darum ging, dass Verlage wohl gern Vorgaben machen würden, dass Romane irgendwo in den USA oder an anderen Orten zu spielen haben, bloß nicht in Deutschland. Leser würden das wohl bevorzugen. Wenn ich von mir selbst als Leserin, die ich ja auch bin, ausgehe, ist es mir vollkommen egal, wo die Romane spielen. Hauptsache, sie sind gut geschrieben und die Geschichte kann mich fesseln.

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Trywwidt Teil 2 veröffentlicht

Bildschirmfoto 2017-04-02 um 23.36.56Ich habe es geschafft. Amazon hat das E-Book „Trywwidt – Falsche Freunde“ schon nach wenigen Stunden freigeschaltet. Ich habe seit März 2015 an dem Manuskript gearbeitet. Der Rohentwurf entstand parallel zum ersten Teil „Trywwidt – Die Kaiserin der ewigen Nacht“. Eine ganze Menge Leute haben mir geholfen, das Buch fertig zu bekommen. Dafür noch mal ganz lieben großen Dank!

Ich bin mir bewusst, dass ich wieder ganz viele „So macht man das aber nicht!“-Dinge beim Schreiben in den Text reingebracht habe. Aber wisst ihr: Es ist mir egal. Ich habe die Geschichte so erzählt, wie ich mir selbst Geschichten erzählen würde. Oder meiner kleinen Tochter. Nur mit ein bisschen mehr Erwachsenenkram drin, versteht sich.

Jetzt verheize ich das E-Book, ebenso wie Teil 1, die ersten zwei Tage für 99 Cent, obwohl es ein ziemlich dicker, ausgewachsener Urban-Fantasy-Schmöker ist. Also, falls das hier jemand liest: Ab 5. April kostet es wieder mehr. Greift zu, solange der Vorrat reicht. Und irgendwann baue ich auch noch eine Taschenbuchversion. Aber jetzt muss ich erst mal durchatmen und die Wäscheberge abtragen.

Hier noch der Klappentext:

Käferkacke! Es könnte alles so einfach sein, wenn Korwin Schwarzvogel kein Vampir wäre. So aber muss die Elfe Trywwidt um sein untotes Leben fürchten, denn ihre Mitelfen wollen es bei einer Rettungsaktion auslöschen. Dabei hat sie das Ganze überhaupt erst angerührt, um ihre Freundin Phyrridt zu befreien, die als albtraumhafter Schmerzensschrei zwischen den Welten herumgeistert. Auch im Hause Schwarzvogel ist nicht alles eitel Mondenschein. Dunkle Wolken ballen sich über Korwin zusammen und werfen ihre blutigen Schatten voraus, was Trywwidts Rettungsmission erschwert.
Wenn die Elfe scheitert, würde das nicht nur ihren eigenen Tod bedeuten, sondern ganz nebenbei die Welt der Menschen ausradieren.

Allergikerhinweis: Achtung! Dieses E-Book enthält Spuren von Elfen, Vampiren, Architekten und so gut wie keine expliziten Szenen. Nur ganz wenige. So ein bisschen angedeutet.

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Überdruck

Schokolade

Leider konnte ich keinen Schokoweihnachtsmann zum Fotografieren finden. Deshalb ein Beispielfoto, das inhaltlich absolut nichts mit dem Text zu tun hat. So wie fast überall im Internet.

Na gut. Ich geb’s zu. Ich bin ganz kurz davor, zu platzen. Zwei Zentimeter fehlen noch, dann macht es „Bumm!“ oder „Knall!“ oder was auch immer für ein Geräusch entsteht, wenn jemand aus eigenem Antrieb explodiert. Selbstverständlich ohne technische Hilfsmittel und eigentlich mehr so im übertragenen Sinne.

Mein fragiler Aggregatszustand lässt sich nicht auf die unzähligen Weihnachtsplätzchen und Schokoweihnachtsmänner zurückführen, die ich besser hätte meiden sollen. Es liegt auch nicht an meiner Sportphobie, sondern daran, dass das Manuskript für Trywwidt II nun schon seit etwa Ende Oktober fertig ist und ich darauf warte, dass Testleser und Korrekturleser sich durch die knapp 500 Taschenbuchseiten kämpfen.

Ob es tatsächlich 500 Seiten sind, weiß ich gar nicht so genau. Das Schreibprogramm zählt 370 Seiten, doch das bezieht sich auf meine chaotische Ist-doch-wurscht-Formatierung des Textes, die ich später für das E-Book – und ganz besonders für die gedruckte Ausgabe – noch überarbeiten muss. Erfahrungsgemäß steigt dann die Seitenzahl beängstigend an.

Auf jeden Fall ist der momentane Arbeitsschritt ein Prozess, den ich nicht beeinflussen kann. Das Independent-Projekt kann nur gelingen, wenn Freunde und selbstlose Helfer mit anpacken bzw. sich reinknien oder genauer reinlesen und daran arbeiten, dass sich das Manuskript in einen spannenden Roman verwandelt, möglichst frei von Logik- und Tippfehlern.

Ich muss mich also in Geduld üben. Um den inneren Druck abzumildern, sollte ich vielleicht den Gürtel nicht so eng schnallen – auch wegen der Schokoweih… Stopp! Das ist jetzt gar nicht das Thema. Auf jeden Fall muss ich mir etwas Nervenschonendes einfallen lassen, um den Überdruck ein klein wenig abzulassen, der aus dem zermürbenden Ich-kann-im-Moment-nichts-für-mein-Manuskript-machen-Gefühl entsteht. Ich hab da auch schon eine Idee! Ich werde die nächsten Tage alle halbe Stunde die Grafikerin anrufen und fragen, wie weit sie mit dem Buchcover ist. So übertrage ich meinen Druck auf jemand anderen. Und für die letzten Schokoweihnachtsmänner gäbe es dann noch genügend Platz, ohne dass ich Gefahr laufe, zu platzen.