Mein Milliardärsroman-Experiment

Seit zwei Wochen ist „Final Passion“ im Shop von Amazon. Ein schnell aufgeschriebener, recht einfach gehaltener Roman mit Liebe, Milliardär und einem Schuss Spannung und vielleicht auch ein bisschen Humor. Inspiriert durch die für mich oft absurd klingenden Buchtitel der „Bonus-Stuffer“, die die vordersten Ränge der Verkaufscharts im Amazon-Shop mit schöner Regelmäßigkeit einzunehmen scheinen.

Auch wenn ich, im Gegensatz zu den „Bonus Stuffern“, natürlich keinen Trickserei-Roman geschrieben habe, um Leser abzuzocken und Gelder zu scheffeln, bin ich von der Wirkung meines Experiments geflasht. Offenbar reicht tatsächlich das Wort „Milliardär“ in Verbindung mit einem Waschbrettbauch auf dem Cover, um eine ganze Menge Leser zu finden. Schon am ersten Tag schoss „Final Passion“ mitten rein in die Top 1.000 und das ganz ohne Werbung, ohne Fanbase, ohne Facebook-Dauerwerbung oder aggressives Freunde- und Fansammeln via Facebook-Einladung. Solch ein Einstieg war mir mit meinen Urban Fantasy-Romanen, an denen ich zwei bis drei Jahre schreibe, nie gelungen. Die letzten Tage dachte ich sogar, ich schaffe es in die Top 100. Es war zumindest kurz davor, auch wenn es dann doch nicht geklappt hatte. Aber wer weiß, was morgen ist. Oder nächste Woche.

Was lerne ich für mein weiteres Schreiben aus diesem Experiment? Vielleicht ja, dass es keinen Zweck hat, an ausgeklügelten Herzensprojekten zu feilen, weil die eher nicht gelesen werden? Hat Urban Fantasy – ohne allzu viel Romantik – quantitativ gesehen keine Leserschaft? Wollen Leser bzw. Leserinnen grundsätzlich vor allem das eine und das hat was mit nackten, reichen Männern zu tun? Gibt es bei den Kindle-Lesern überdurchschnittlich viele Fans von Milliardären, Alpha-Scheichs und verzauberten Wikinger-Werwolf-Überraschungsvierlingen? Sollte ich meine Leser für Trywwidt deshalb auch noch woanders suchen? Andere Strategien finden? Fernab von Amazon-E-Books und vielleicht auch fernab vom Selfpublishing? Oder sollte ich das Projekt einfach fallen lassen, alles hinschmeißen und Schnulzenromanschreiberin werden?

Antworten darauf habe ich bis jetzt keine gefunden. Zumal der Plan noch immer so aussieht, nach dem letzten Teil von „Trywwidt“ das mit dem Schreiben generell zu überdenken, da ich mich dabei zu sehr aus dem eigentlichen Leben ausklinke, das mich langsam zu überrollen droht. Aber wer weiß, vielleicht ist ja ein Schneller von „Elly W. Parker“ noch mal drin. Einen Monat lang nach Feierabend in die Tasten hauen, ohne groß darüber nachzudenken, was ich da schreibe. Das müsste einmal im Jahr locker zu schaffen sein. Außerdem kenne ich einen knallharten Dealer für Waschbrettbauchcover. Und für den Notfall haben sich schon mehrere Herren angeboten, für Coverfotos Modell zu stehen. Auch wenn ich fürchte, dass sie im Fall der Fälle jahrelanges Training im Bauch-Bootcamp vor sich hätten, um mir wirklich helfen zu können. Denn Waschbärbäuche auf Buchcovern kommen vermutlich nicht so gut an, wenn es wieder mit den Top 1.000 klappen soll.