Druck

Mensch wird durch Zahnradgetriebe beinahe zermalenMeine Schreiblaune treibt sich mal wieder ganz tief unten im Keller herum. Keine Ahnung, wie ich es immer anstelle, aber anstatt meine ab und zu vorhandene freie Zeit zum Schreiben zu nutzen, rotiere ich durch die Gegend, versuche dem Hausfrau- und Mutterspiel irgendwie gerecht zu werden oder arbeite bis spät in die Nacht an Projekten, die sich so ganz nebenbei ansammeln. Und dann kommen noch Besuche bei Freunden oder der Familie hinzu, der obligatorische Arzttermin oder eine urplötzlich über mich hereinbrechende Weiterbildungsveranstaltung … und „Wusch!“ sind die freien Tage wie durch Zauberhand verdunstet, und übrig bleibt der pure Stress und das Bewusstsein, es wieder nicht geschafft zu haben und auf absehbare Zeit keine wirkliche Zeit zum Schreiben zu finden.

Richtig schlecht wird mir, wenn ich in irgendwelchen Blogbeiträgen sinngemäß lese: „Du musst nur wollen, dann kannst du alles schaffen.“ Oder: „Die Zeit, die du bei Facebook verbringst, hättest du auch fürs Schreiben nutzen können.“ Ein Grund, warum ich inzwischen Blogs mit Schreibtipps meide wie Korwin Schwarzvogel die Sonne.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Bei mir läuft es so, dass ich nach acht Stunden im Job und vier Stunden Kinderbespaßung samt Haushaltskram und mal schnell noch an einem Projekt für einen Auftraggeber herumarbeiten einfach nur noch Watte im Kopf habe. Da ist ans Überarbeiten von Texten nicht mehr zu denken. Einen lockeren Spruch bei Facebook posten, einen Blogartikel lesen oder diesen Text hier mal schnell in die Tastatur hämmern, das schaffe ich gerade noch so. Aber sobald es darum geht, in mein Manuskript einzutauchen, die Protagonisten vor mir zu sehen, mich in sie hineinzuversetzen, sie zum Leben zu erwecken und an der Sprache zu feilen, um den Text geschmeidig zu machen, das kann ich nach solchen Tagen vergessen. Und diese Tage überwiegen derzeit in meinem persönlichen Kalender. Zumal immer noch das Gewissen drückt, von den Pflichtsachen (Haushalt, Familie, Projekte), nur einen Bruchteil geschafft zu haben. Allein schon durch diesen Druck ist es mir nicht möglich, meine Gedanken ohne schlechtes Gewissen treiben zu lassen. Eine Grundvoraussetzung für mich, um schreiben zu können.

Ich fiebere jetzt auf Anfang Oktober hin. Mit Glück habe ich dann eine Woche frei und könnte wieder in den Text eintauchen. Dieser Dauerzustand des unbedingt Wollens und nicht Könnens reibt mich immer mehr auf. Trotzdem halte ich an meinem Plan fest, den dritten Trywwidt-Teil noch zu einem hoffentlich guten – oder schrecklichen – Ende zu bringen, bevor ich die Sache mit dem Schreiben ganz weit nach hinten in irgendeinen Schrank packe, ohne zu wissen , ob ich sie jemals wieder von dort hervorkramen kann.

PS: Und bevor jetzt jemand denkt: Hey! Sie hat offenbar Zeit, komische Grafiken mit komischen Zahnrädern zu malen, aber angeblich keine Zeit, um zu schreiben. Falsch geraten. Die Grafik habe ich erstellt, während ich darauf gewartet habe, dass die Kartoffeln kochen. In den zwanzig Minuten mit Blick auf die tickende Uhr hätte ich es leider nicht geschafft, auch nur einen einzigen Satz so zu überarbeiten, dass er auch Bestand hätte.

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