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Gedanken zum Welt-Mädchentag

Hexenmädchen fliegt auf dem BesenNeben meiner Romanschreiberei arbeite ich unter anderem im Bereich Social Media. Alles, was in diesem Job zählt, scheint das Posten von Beiträgen bei Facebook zu sein – gern auch völlig sinnbefreit – , die eine hohe Reichweite erzielen. Eine sichere Bank für vergleichsweise hohe Reichweiten sind im Moment schöne Fotos auf denen ein nachdenklicher Spruch draufgeschrieben ist. Irgendeine Kalenderweisheit oder die hohe Schule der Küchenphilosophie, bei der man beim Durchlesen mit dem Kopf nicken und „Genauso ist es!“ sagen kann.

Am Welt-Mädchentag bot es sich natürlich an, eine solche Text-Bildmontage zum Thema „Mädchen“ zu posten. Also machte ich das, was ich in solchen Fällen immer mache: Ich stöberte in Zitatensammlungen im Internet und hielt nach Ideen für geeignete Sprüche Ausschau. Zum Thema „Mädchen“ fand ich viele. Aber auf den ersten und auch auf den zweiten Blick keinen einzigen, der für diesen Anlass geeignet gewesen wäre.

Nach dem Lesen der Sprüche war ich ziemlich niedergeschlagen. Ich fühlte mich als Mädchen, das ich vor vielen Jahren war, in den Dreck gezogen. Genauer von einer Person zu einer Sache degradiert. Und es wurde mir mal wieder bewusst, wie verzerrt die Sicht der Menschen – oder der Männer (?) oder mancher/einiger/vieler Männer (schließlich darf man nie alle über einen Kamm scheren) – in den vergangenen Generationen selbst auf so etwas Unverfängliches wie ein Kind war, wenn es denn weiblichen Geschlechts war. Ein Blick, der auch auf das zur Frau gereifte Mädchen nicht wirklich besser wurde und bis heute wird.

Ich hole mir jetzt meinen Brecheimer und ihr könnt gern in der Zeit ein paar der Zitate* lesen, die mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert haben.

(( *) Ich bin mir dessen bewusst, dass mit dem Begriff „Mädchen“ in den weiter unten stehenden nachdenklichen Sprüchen nicht ausschließlich kleine Kinder gemeint sind, sondern auch junge, unverheiratete Frauen. Was wiederum ebenfalls für sich spricht. Denn durch die Bezeichnung „Mädchen“ wird der jungen Frau quasi ihre mündige Erwachsenenschaft abgesprochen und sie wird zum kleinen Kind degradiert, das nicht eigenständig denken und handeln kann und das nichts zu melden hat in der Erwachsenenwelt. Als mir dieser Zusammenhang neulich bewusst wurde, habe ich übrigens den Text in „Trywwidt II“ geändert, in denen sich Korwin an einer jungen Frau satt trinkt. Ich habe – hoffentlich alle – Stellen, in denen das Wort „Mädchen“ auftauchte in Frau/junge Frau geändert.))

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Ein Mädchen vor dem Spiegel ist die Frucht, die sich selber ißt.

– Friedrich Hebbel –

 

Über äffische Mädchen lachen Fenster und Wege.

– Sorbisches Sprichwort –

 

Schöne Mädchen und zerrissene Kleider bleiben überall hängen.

– Deutsches Sprichwort –

 

Ein Mädchen ist leichter zu beurteilen als ein Gedicht.

– Blaise Pascal –

 

Ein Mädchen ohne Freund ist wie ein Frühling ohne Rosen.

– Aus Frankreich –

 

Junge Mädchen suchen durch Naivität das nur zu scheinen, was sie wirklich sind; nämlich: dumm.

– Heinrich Martin –

 

Dem Herzen eines Mädchens ist ihre eigene Schönheit und ihr Liebreiz teuer.

– Ovid –

 

Mädchen und Eier muß man nie lange aufheben.

– Deutsches Sprichwort –

 

Guter Essig und ein schönes Mädchen ist kein Schaden im Hause.

– Deutsches Sprichwort –

 

Das junge Mädchen ist eine Blume, die junge Frau ist eine Frucht; ist die Frucht schlecht, was muß man von der Blume denken?

– Aus China –

 

Das Mädchenherz ist ein eigensinniges, welches in günstiger Stunde gefangen und gefesselt sein will.

– Heinrich Laube –

 

Die Mädchen lernen leichter fühlen als die Männer denken.

– Voltaire –

 

Mädchen lieben Puppen, weil sie früher schon Personen mehr lieben als Sachen.

– Jean Paul –

 

Mädchen und Gold [sind] desto weicher […], je reiner sie sind.

– Jean Paul –

 

Ein blühendes Mädchen ist das reizendste Symbol von reinem guten Willen.

– Friedrich von Schlegel –

 

Ein wildes Mädchen ist ein eben solches Unding wie eine betrunkene Nachtigall; ein geziertes die Parodie des mißhandelten Ideals.

– Karl Christian Ernst Graf von Bentzel-Sternau –

 

Jeder Knabe ist ein Kandidat der Unsterblichkeit, jedes Mädchen ein kleines Fragezeichen des Glücks.

– Carl Ludwig Schleich –

 

Mädchen sind wie Früchte, angenaschte verlieren ihren Wert.

– Junggesellenbrevier (Um 1900) –

 

Quelle: www.aphorismen.de

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Druck

Mensch wird durch Zahnradgetriebe beinahe zermalenMeine Schreiblaune treibt sich mal wieder ganz tief unten im Keller herum. Keine Ahnung, wie ich es immer anstelle, aber anstatt meine ab und zu vorhandene freie Zeit zum Schreiben zu nutzen, rotiere ich durch die Gegend, versuche dem Hausfrau- und Mutterspiel irgendwie gerecht zu werden oder arbeite bis spät in die Nacht an Projekten, die sich so ganz nebenbei ansammeln. Und dann kommen noch Besuche bei Freunden oder der Familie hinzu, der obligatorische Arzttermin oder eine urplötzlich über mich hereinbrechende Weiterbildungsveranstaltung … und „Wusch!“ sind die freien Tage wie durch Zauberhand verdunstet, und übrig bleibt der pure Stress und das Bewusstsein, es wieder nicht geschafft zu haben und auf absehbare Zeit keine wirkliche Zeit zum Schreiben zu finden.

Richtig schlecht wird mir, wenn ich in irgendwelchen Blogbeiträgen sinngemäß lese: „Du musst nur wollen, dann kannst du alles schaffen.“ Oder: „Die Zeit, die du bei Facebook verbringst, hättest du auch fürs Schreiben nutzen können.“ Ein Grund, warum ich inzwischen Blogs mit Schreibtipps meide wie Korwin Schwarzvogel die Sonne.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Bei mir läuft es so, dass ich nach acht Stunden im Job und vier Stunden Kinderbespaßung samt Haushaltskram und mal schnell noch an einem Projekt für einen Auftraggeber herumarbeiten einfach nur noch Watte im Kopf habe. Da ist ans Überarbeiten von Texten nicht mehr zu denken. Einen lockeren Spruch bei Facebook posten, einen Blogartikel lesen oder diesen Text hier mal schnell in die Tastatur hämmern, das schaffe ich gerade noch so. Aber sobald es darum geht, in mein Manuskript einzutauchen, die Protagonisten vor mir zu sehen, mich in sie hineinzuversetzen, sie zum Leben zu erwecken und an der Sprache zu feilen, um den Text geschmeidig zu machen, das kann ich nach solchen Tagen vergessen. Und diese Tage überwiegen derzeit in meinem persönlichen Kalender. Zumal immer noch das Gewissen drückt, von den Pflichtsachen (Haushalt, Familie, Projekte), nur einen Bruchteil geschafft zu haben. Allein schon durch diesen Druck ist es mir nicht möglich, meine Gedanken ohne schlechtes Gewissen treiben zu lassen. Eine Grundvoraussetzung für mich, um schreiben zu können.

Ich fiebere jetzt auf Anfang Oktober hin. Mit Glück habe ich dann eine Woche frei und könnte wieder in den Text eintauchen. Dieser Dauerzustand des unbedingt Wollens und nicht Könnens reibt mich immer mehr auf. Trotzdem halte ich an meinem Plan fest, den dritten Trywwidt-Teil noch zu einem hoffentlich guten – oder schrecklichen – Ende zu bringen, bevor ich die Sache mit dem Schreiben ganz weit nach hinten in irgendeinen Schrank packe, ohne zu wissen , ob ich sie jemals wieder von dort hervorkramen kann.

PS: Und bevor jetzt jemand denkt: Hey! Sie hat offenbar Zeit, komische Grafiken mit komischen Zahnrädern zu malen, aber angeblich keine Zeit, um zu schreiben. Falsch geraten. Die Grafik habe ich erstellt, während ich darauf gewartet habe, dass die Kartoffeln kochen. In den zwanzig Minuten mit Blick auf die tickende Uhr hätte ich es leider nicht geschafft, auch nur einen einzigen Satz so zu überarbeiten, dass er auch Bestand hätte.

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Und es frustet wieder

Vor einigen Monaten hatte ich durch meinen chronischen Zeitmangel, was das Schreiben angeht, einen ziemlichen Frustschub. Damals war ich kurz davor, „Klara Bellis“ abzuschaffen und nur noch still und heimlich vor mich hinzuschreiben, bis ich das „Trywwidt“-Projekt beendet hätte, um dann endgültig meinen halb kaputten Laptop einzumotten und mich erfreulicheren Dingen zuzuwenden.

Dann kamen zwei Wochen Urlaub und die Wörter brachen nur so aus mir heraus, sodass ich zwar nichts von meinem Urlaubsort zu sehen bekam, dafür aber in Rekordzeit den Rohentwurf für den dritten und letzten Trywwidt-Teil beenden konnte.

So langsam wuchs wieder ein kleines Hoffnungspflänzchen, dass ich es mit der Selfpublisherei vielleicht doch irgendwie auf die Reihe bekomme. Trotz Job und Familie und Haushalt und was sonst so im Leben anliegt. Mit neuem Schwung kämpfte ich fast den ganzen August mit dem Schriftsatz für die Druckausgabe des zweiten Trywwidt-Teils, der bisher nur als E-Book existiert. Der Plan war, das Ganze bis September bei Books on Demand hochzuladen und neben der hochoffiziellen Veröffentlichung der Taschenbuchausgabe einen ganzen Bücherstapel Geburtstagsgeschenke hervorzuzaubern, denn einige Leute, die ich mit dem Buch beglücken wollte, haben im September Geburtstag. Außerdem gab es inzwischen eine Anfrage zu einer Lesung, die auch schon wieder einige Wochen zurückliegt und die ich nicht im Sande verlaufen lassen wollte.

Seit gut einer Woche ist der Schriftsatz für die Druckausgabe fertig. Ich bräuchte es nur noch hochzuladen und auf „Drucken“ drücken. Leider ist dieser kleine Schritt seit gestern in weite Ferne gerückt, da es im Moment unklar ist, wann ich die Datei für das Taschenbuchcover geliefert bekomme. Also muss ich wieder abwarten, geduldig sein, hoffen, dass ich meinen Freunden mit der Schreiberei und den damit verbundenen Bitten nicht den letzten Nerv raube, denn auch die haben  – wie es der Zufall will – alle ihr eigenes Leben und nicht immer Zeit für die spontanen Wünsche von exzentrischen Indie-Autorinnen. Und zwischendurch heißt es: Immer mal wieder ganz vorsichtig nachfragen und höflich darum bitten, ob es vielleicht doch mal irgendwann eventuell klappen könnte.

Genau solche Hänger im Projekt, die Momente, in denen ich absolut nichts beeinflussen kann und bei denen ich nicht ansatzweise abschätzen kann, wie lange sie andauern werden, rauben mir den letzten Nerv.

Durch meine Ausflüge in die Malerei bin ich es gewohnt, die Fäden in der Hand zu halten und mir meine Zeit, die ich an einem Projekt arbeite, nach Belieben einteilen zu können. Durch das Schreiben ist das anders geworden. Hier kann ich nicht alleine bestehen, sondern bin auf die Hilfe und Zuarbeit anderer angewiesen. Leider ist das so überhaupt nicht mein Ding und ich setze gedanklich einen weiteren dicken fetten Minuspunkt an das „Hobby“ Schreiben, das für mich weit mehr als ein putziges Hobby* ist.

*) Ich finde dieses Wort ganz schlimm und muss dabei immer an ältere Damen denken, die um die Wette Schals stricken oder mit der Serviettentechnik Blumentöpfe bekleben. Obwohl beides, wenn man mit dem Herzen dabei ist, sicher riesigen Spaß macht.

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Arbeit an der Druckausgabe und kein Ende

Seit etwa drei Wochen sitze ich in jeder freien Minute bis spät in die Nacht an der Druckausgabe für Trywwidt II. Dass ich das Ganze im nächsten Jahr noch einmal für den 3. Band machen muss, verdränge ich dabei, sonst würde ich spontan meine Festplatte formatieren, auf der sich das Manuskript befindet, und nie wieder ein Schreibprogramm öffnen. Außer auf Arbeit, wo ich dafür bezahlt werde, dass ich genau das mache: Texte tippen. Was man eben so macht im Büro.

Im Moment arbeite ich an den Illustrationen, die ich noch ins Buch einfügen will. Letztlich ist das wieder einer dieser zusätzlichen Arbeitsschritte, den ich mir hätte ersparen können. Und gleichzeitig ist da der Ehrgeiz, es so gut wie nur möglich zu machen, der mich zu den Illustrationen motiviert.

Auf geht’s! Zwei Illustrationen schaffe ich heute noch. Obwohl gleich morgen ist.

 

 

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Schriftsatz – Lust und Frust

Im Moment ist die Chance, an Trywwidt III weiterzuschreiben, in weite Ferne gerückt. Grund ist die Arbeit am Schriftsatz für die Druckausgabe des zweiten Teils. Dabei gehe ich den Text mehrmals Satz für Satz und Seite für Seite durch, um ihn in eine Form zu rücken, die für das Leserauge angenehm ist.

Gleichzeitig wird mir wieder bewusst, wie das richtige Leben an mir vorbeizieht, ohne dass ich daran Anteil habe. Familienfeste, Ausflüge, Treffen mit Freunden, Kinobesuche finden ohne mich statt, weil ich dadurch zu viel Zeit verlieren würde. Freizeit ist derzeit knapp. Deshalb versuche ich, jede freie Minute in das Buchprojekt zu investieren, anstatt sie mit Zerstreuung, Erholung oder Hausarbeit zu verplempern.

Manchmal glaube ich, um ein richtiger Schriftsteller zu sein, muss man ein durch und durch egoistischer Mensch sein mit einer ausgeprägten Neigung zum Eremitendasein, um sich genügend Schreibzeit vom eigentlichen Leben abknapsen zu können. Wobei es aber nie genug zu sein scheint. Egal, wie lange ich vorm Rechner hocke und auf der Tastatur hämmere.

Wieder frage ich mich, warum ich das mache. Niemand zwingt mich dazu. Abgabetermine habe ich keine. Niemand sitzt mir im Nacken. Es ist fast wie ein Zwang, weiter an dem Projekt zu arbeiten und es so gut wie nur möglich zu machen.

Und am Ende der Schufterei winkt als Lohn das Glück, ein richtiges fertiges Buch in den Händen zu halten. Ein solches Buch hat mir vor ein paar Tagen eine meiner Testleserinnen weggeschnappt und es ans andere Ende von Deutschland verschleppt. Sie kannte den ersten Teil von „Trywwidt“ noch nicht, da sie nur den zweiten testgelesen hatte. Und was soll ich sagen: Da war so ein seltsames Glitzern in ihren Augen. Ich glaube, sie war angefixt.